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„Du willst nach Griechenland gehen? Jetzt ?!?“ Norbert machte keinen Hehl aus seiner Verwunderung. „Ich würde da nicht hinwollen, schon gar nicht als Deutscher.“
„Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul...“
Ich seufzte.
Er hatte ja irgendwie recht. Ich hatte die selben Bedenken, als mich Ben vor einigen Tagen gefragt hat, ob ich mitkommen will. Er arbeitet in der Tourismusbranche und wurde zu einer Travel-Show nach Athen eingeladen. Sein Flug und seine Übernachtungskosten für ein Doppelzimmer wurden bezahlt. Ich könnte mir also das Zimmer mit ihm teilen und müsste nur den Flug übernehmen. Außerdem könnte ich auch an einer Schiffs-Cruise teilnehmen.
Ich sagte schließlich zu.
Einerseits, weil ich noch nie in Athen war und andererseits, weil ich der Typ bin, der sich solche Gelegenheiten ungern entgehen lässt – und zugegebenermaßen auch deshalb, weil die griechischen Kerle eine interessante Abwechslung versprachen.

Samstag

Um 4:00 Uhr heute Morgen klingelte mein Handywecker – ich hasse diese frühen Flüge! Aber die AirChina hatte den besten Flug und so biss ich in den saueren Apfel. Ben hatte einen Flug vier Stunden später. Der Glückliche!
Mit gemischten Gefühlen saß ich in der S-Bahn Richtung Flughafen.
Wie werden die Griechen darauf reagieren, daß ich aus Deutschland bin? Vielleicht sollte ich gar nicht zugeben, daß ich dies bin? Ich könnte ja einfach englisch reden und sonstwas behaupten. Gedanken, die einem unweigerlich durch den Kopf schießen, wenn man die letzten zwei Jahre nicht im Dschungel fernab jeglicher politischer Berichterstattung verbracht hat. Man braucht nicht drumrum zu reden – das Verhältnis zwischen unsen beiden Ländern war schon mal besser.

„Oh, das ist ja ganz schön leer hier“, meinte ich beim Check-In zu dem jungen Mann hinter dem Schalter.
„Die Anderen waren ja auch alle schon hier...“, antwortete er trocken, während er meine Daten in seinen Computer tippte.
„Naja, das ist dann eben der Vorteil, wenn man das Kommen länger hinauszögert!“ sagte ich süffisant.
Er schaute hoch und musterte mich. „Solange man denn dann auch kommt...“
„DAS kommt immer darauf an, ob sich's auch lohnt...“
Wir grinsten beide.
Tja, unter anderen Umständen...
Mit etwas mehr Zeit...
Wer weiß...
„Hier ist ihre Bordkarte. Ich habe Ihnen einen Platz mit Beinfreiheit und einem freien Platz neben Ihnen gegeben.“ Er zeigte mir sein strahlendweißes Lächeln.
„Das ist aber sehr nett von Ihnen!“
„Wenn ich will, kann ich unheimlich nett sein.“
„Das sollte ich mir merken...“ antwortete ich im weggehen. Na, der Trip fing ja schon mal vielversprechend an!

                    

Als das Flugzeug in Athen landete, freute ich mich, daß das Wetter hier deutlich besser ist, als zu Hause. Ich ging sofort zur Metro, kaufte mir mein 8 Euro Ticket und fuhr zum Stadtzentrum. Während der 60 minütigen Fahrt wurde die Bahn immer voller. Von den Gesprächen, die um mich herum stattfanden, verstand ich kein einziges Wort. Manchmal dachte ich ein spanisches oder russischer Wort zu hören, aber wirklich etwas verstehen konnte ich nicht. Das konnte ja heiter werden mit der Kommunikation! Auch die Schriftzeichen konnte ich nicht lesen. Zum Glück wurde alles auch in lateinischer Schrift angezeigt.

Ich stieg an einem der Hauptplätze Athens aus – dem Syntagma Platz. Die Metrostation war nagelneu. Nicht nur der Boden, auch die Wände waren modern gefliest. Irgendwie erstaunte mich das, wenn man seit zwei Jahren Griechenland nur mit Finanzkrise in Verbindung bringt. Was sich wohl ein New Yorker denkt, wenn er nach Athen kommt?

Nachdem ich im Hotel im Süden der Stadt angekommen bin, machte ich mich sofort auf den Weg, die Gegend zu erkunden. Egal wo ich hinblickte, sah ich nur gut hergerichtete Häuser. Für Stadthäuser sahen sie sogar regelrecht edel aus. Auch die ganzen Cafés und Restaurants, an denen ich vorbeilief, machten einen neuen und schicken Eindruck. Lediglich die Fussgängerwege (unbenutzbar) und die Autos (zerbeult) deuteten darauf hin, daß ich mich ganz klar in einer südländischen Stadt befand.

„Wo kommen Sie her?“ fragte mich der junge Kassierer auf englisch, als ich ihm die Wasserflaschen auf den Tresen stellte.
Ich zögerte kurz.
„Deutschland...“
„Oh“ er schaute mich durchdringend an und ich blickte etwas unsicher zurück. Dann fingen seine Augen an zu leuchten und er lächelte mich an: „Das war ein gigantisches Spiel gegen Brasilien! Wow! 7:1“
„Das war es in der Tat!“ antworte ich dankbar.
„Ihr erstes Mal in Athen?“
„Ja, bin gerade erst angekommen.“
„Sie werden diese Stadt lieben!“ Er packte meine Sachen in eine Tüte.
„Eff...haar.. ress.... too“, versuchte ich mich mit einem Danke auf griechisch.
„Eucharisto“, verbesserte er mich und lachte breit.
Keine Frage nach der Politik. Kein negativer Kommentar. Nur reine Freundlichkeit.
Irgendwie erleichterte mich das. Schon seltsam, wie man sich von Tagesgeschehen beeinflussen lässt.

Drei Stunden später kam Ben im Hotel an. Obwohl er heute nicht so früh raus musste wie ich, war er völlig platt und musste erstmal eine Runde schlafen.
Und ich saß auf Kohlen.
Ich wollte ins Zentrum.
Ich war hungrig danach.
Und ich wollte zur Akropolis.
Sie zumindest sehen. Denn ebenso wenig, wie man aus jedem Fenster in Paris den Eiffelturm sieht, sieht man hier von überall die Akropolis. Und auf der Fahrt zum Hotel war irgendwie immer ein hohes Gebäude im Weg.
Wobei, wenn ich genau sein will, dann wollte ich den Parthenon sehen. Den antiken Tempel, welcher erhaben auf dem Stadtberg steht, der eigentlich den Namen Akropolis trägt. Die meisten denken ja, daß dieser Tempel Akropolis heißt.

Bis Ben endlich so weit war, hatte ich den Stadtplan und den Reiseführer auswendig gelernt und genug Zeit gehabt, die Möglichkeiten für das Abendprogramm auszuloten.
Alles spielte sich demnach um die Akropolis ab. Im südlichen Bereich sah es laut Karte nach einem Park aus. Na, das wäre eher etwas für einen Sonntagsspaziergang, dachte ich.
Also nichts für heute.
Dann gab es östlich den bekannten Altstadtteil 'Plaka', indem es von Restaurants und kleinen Geschäften nur so wimmeln soll. Einige Gay Bars gibt es dort auch.
Das klang schon vielversprechend.
Das schwule Zentrum Athens hat sich allerdings im westlichen Teil im Stadtteil Gkazi (Ghazi) entwickelt.
Das klang doch sogar sehr, sehr vielversprechend.

Unser Plan stand fest – erst in die Plaka zum Abendessen, dann nach Gkazi und die schwule Szene unsicher machen. Es war ja schließlich Samstag!

„Haben sie eine Reservierung für einen Tisch dort?“ fragte uns unser Taxifahrer im besten Englisch auf dem Weg zum Restaurant Strofi in der Plaka.
„Nein, wir dachten, wir fahren einfach hin und fragen...“ antwortete Ben.
„Bin mir nicht sicher, ob sie Erfolg haben werden.“ er schüttelte den Kopf.
„Oh Mann“, sagte ich, „Wir sind ja auch clever. Samstag Abend 20 Uhr. Da bekommt man nicht einmal im abgelegensten Restaurant noch einen Tisch.“ Ich ärgerte mich darüber, daß wir nicht vorher daran gedacht haben und mein Magen zeigte seinen Unmut durch ein lautes Knurren.
Nachdem Ben die telefonische Bestätigung bekommen hat, daß frühesten um halb elf ein Tisch frei werden würde, hieß es umzudisponieren.
„Ich kann sie zur Apostolou Pavlou bringen, da gibt es viele Restaurants...“
„Ist das weit?“
„Nein, gleich hier unterhalb der Akropolis. Von da haben sie auch einen schönen Blick auf bei Nacht.“
Wir stimmten zu.
Doch gleich darauf war ich mir nicht mehr sicher, ob das eine gute Entscheidung war. Denn er fuhr genau dorthin, wo ich den Park auf dem Stadtplan gesehen habe. Aber egal, dachte ich, die Pawlow'sche Bedürfnispyramide – sprich: Hunger stillen – hat längst die Oberhand über meine Entscheidungsfreiheit übernommen.

Ich irrte mich.
Ich irrte mich gewaltig!
Nicht, was meinen Hunger anbelangte, sondern die Entscheidung anzuzweifeln.
Es sah zwar zunächst tatsächlich aus, wie eine breiter Weg durch einen Park. Aber er glich eher einer Fussgängerzone. Menschenmassen tummelten sich in der Abenddämmerung vorbei an Straßenmusikanten, Malern und Souvenirverkäufern. (Schade, daß das rechte Foto hier das einzige ist, welches scharf geworden ist von der Fussgängerzone. Aber doch irgendwie nett, wie er da so versunken in sein Spiel dasitzt, oder?) 

 Und das Beste war - der Parthenon lag rechts oben auf dem Hügel in goldgelbes Licht getaucht.

Toll! Das war ein erster Blick auf die Akropolis, den ich nicht vergessen werde!

                          

In Thiseio (Thissio) fanden wir gleich einen kleinen Platz und das Restaurant Lontos. Die Lage war exponiert. Vor uns das Treiben der flanierenden Menschen. Dahinter oben auf der Akropolis die angestrahlten weißen Säulen der Tempelgebäude.
In jeder anderen Stadt würde man erwarten, daß man horrende Summen in einem Restaurant an so einem Platz zahlen würde. So waren wir echt erstaunt, als wir zu zweit eine Rechnung über 35 Euro erhielten – für zwei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte, Bier, Wein, Wasser. Obendrein gab es natürlich den obligatorischen Ouzo aufs Haus. Dann kam noch eine riesige Portion Bananensplit. Als wir dem Kellner sagten, daß wir das Eis gar nicht bestellt haben, lachte er nur und sagte, daß geht ebenfalls aufs Haus. Wir blickten uns um, und tatsächlich, die anderen Gäste hatten auch so eine Portion vor sich stehen.
Eigentlich wollten wir von diesem Platz gar nicht mehr weggehen. Wir fühlten uns so wohl hier. Es war mittlerweile dunkel geworden und alle Restaurants um uns herum waren schön beleuchtet. Die Leute flanierten weiterhin. Einige weitere Straßenverkäufer hatten neue Stände aufgebaut. Als es etwas frisch wurde, brachte uns der Kellner einen Wärmepilz. Da war keine Spur von aufgesetzter und geschäftsmässiger Freundlichkeit bei ihm zu spüren – es war echte Freundlichkeit.

Aber wir brachen dann doch auf. Schließlich schreibe ich hier ja einen schwulen Blog über meine Erlebnisse und da dürfen natürlich die Gay-Bars Athens nicht fehlen.
Innerhalb von zehn Minuten sind wir in den Stadtteil Gkazi gelaufen. Spätestens als wir auf dem Platz direkt über der Metrostation Kerameikos ankamen, waren wir begeistert, daß wir uns doch auf den Weg gemacht haben.
Ein Restaurant neben dem anderen, dazwischen Bars, alle stilvoll und – ich will sagen- elegant gemütlich eingerichtet. Die Leute waren jung, ich würde sagen durchschnittlich so knapp unter dreißig. Es war zwar kein schwules Publikum, aber ihre Freude und Fröhlichkeit war ansteckend.
Schon wieder ein Ort, an dem wir gerne bleiben wollten.
Doch es war mittlerweile 22:30 Uhr. Morgen steht ein Tagesausflug auf dem Meer zu verschiedenen Inseln an.
Das heißt, wir müssen morgen um 6 Uhr aufstehen.
Das heißt auch, daß wir leider nicht bis in die Puppen wachbleiben konnten. Aber ich wollte für Euch unbedingt so viele Bars wie möglich besuchen.

Die Gay Szene verteilt sich rund um den Kerameikos-Platz. Wobei die meisten Gay-Clubs und Bars Athens sich nordlich von ihm befinden und eher in Seitenstraßen. An den ersten, der Bar Almaz und dem Sodade Danceclub, sind wir fast vorbeigelaufen, weil sie komplett dunkel waren. Offenbar öffnet der Sodade Club erst ab 23 Uhr. Aber die Bar Almaz hätte eigentlich schon geöffnet sein sollen.Seltsam.

 

 Als wir die Hauptstraße Iera Odos überquerten, traf man mehr einzelne Männer an. 

Der Grund: ganz einfach, hier ist die Gay-Sauna Alexander zu finden. In regelmäßigen Abständen verschwand ein Typ nach dem anderen in der Sauna. Natürlich standen auch einige Kerle in Lauerstellung vor der Tür, oder auf der anderen Straßenseite.
Ganz offensichtlich wollten sie entweder auf ihren Traumprinzen warten, dem sie dann unauffällig ins Innere folgen konnten. Oder sie wollten abwarten, bis auch wirklich genügend Kerle anwesend waren, um ihre Chancen und die Auswahl zu erhöhen. Ben und ich schauten uns an – doch auch wenn es durchaus reizvoll gewesen wäre der Sauna zumindest einen kleinen Besuch abzustatten, zogen wir weiter. 

 

Wir landeten um die Ecke im Enodia. Das ist ein kleiner netter Gay-Laden – eine Mischung aus Café und Bar. Viel los war hier leider nicht. Aber die Kellner waren nett anzusehen und hatten absolut ihren Spaß mit einigen Selfies, die sie mit ein paar der Gästen schossen.
Nach einem Erfrischungsbierchen ging es auch schon weiter in Richtung der schwulen Dance-Clubs Athens: dem MOE, dem Noiz und dem FOU.

 

Doch wir waren einfach viel zu früh dran. Man sah, wie die Angestellten sich auf den Ansturm vorbereiteten, aber noch war kein Gast weit und breit zu sehen. Wahrscheinlich ist es in Athen ebenso wie in Spanien üblich, eher ab 2 Uhr nachts in die Clubs zu gehen. Davor wird eher mit Freunden nett in einer Bar gechilled.

 

 

 

 

 

 

 

 Es war mittlerweile Mitternacht. Wir standen vor der Wahl – zurück ins Hotel oder sollten wir noch einen kleinen Umweg machen zum BIG, der schwulen Bären Bar von Athen. Das würde einen kleinen Fussmarsch von 5 Minuten bedeuten. Auch auf die Gefahr hin, daß dort ebenfalls noch nichts los ist, gingen wir hin – ein Absackerbierchen geht noch!

Das BIG lag in einer Seitenstraße der Iera Odos. Es war sehr ruhig in der Straße und wir befürchteten, daß die Bar sogar geschlossen sein könnte.
Aber dann DAS!
Das BIG war brechend voll!
Als ob sich alle Schwulen Athens hier versammelt hätten. Gute Musik, Gelächter, ausgelassene Stimmung, geile Kerle – alles prasselte auf ein mal auf uns ein. Unfassbar!
Zur Theke war fast kein Durchkommen. Als wir unser Bier hatten, drückten wir uns zwischen zwei Gruppen von Kerlen.
Klar erkannten alle, daß hier Frischfleisch anwesend ist. Ihr kennt das sicherlich auch. Man erkennt Fremde in der eigenen Stamm-Bar sofort. Genauso, wie man eben in einer fremden Stadt als Neuer erkannt wird. Und irgendwie scheint der Reiz des Neuen den eigenen Marktwert in die Höhe zu treiben. Vielleicht ist es auch die Aussicht auf schnellen, unkomplizierten Sex. Denn die 'Gefahr', daß man sich wieder über den Weg läuft, ist ja ziemlich gering.
Wir genossen die Aufmerksamkeit und lächelten in alle Richtungen, was das Zeug hält. Aber für ein Abenteuer waren wir heute nicht zu haben – dazu wog die Last des frühen Aufstehens morgen zu sehr auf unseren Schultern. Aber toll, daß wir noch so einen schönen Abschluss des Abends hier in Athen hatten.
Schweren Herzens verabschiedeten wir uns und schnappten ein Taxi zurück zum Hotel.

Es ist jetzt 2 Uhr.
Ich bin platt, aber auch happy. Der erste Tag in Athen hat mich wirklich überrascht. Die Stadt ist klasse! Die Menschen sehr entspannt und ehrlich freundlich. Keine Spur von Feindseligkeit gegenüber uns Deutschen. Und soo unglaublich viele tolle Plätze hier, die wir bereits heute entdeckt haben. Das hat heute bereits für einen Wochenblog gereicht – deshalb sorry, falls ich zu viel geschrieben habe – und danke, falls ihr bis hierher durchgehalten habt.
PS. Falls ihr mehr zu den Bars und Clubs in Athen wissen wollt, schaut mal in unserem Gay City Guide vorbei: Gay Athen
Der zweite Teil folgt!

Euer Tom, der jetzt ganz schnell die Augen schließen muss!


Tom in Athen

„Du willst nach Griechenland gehen? Jetzt ?!?“ Norbert machte keinen Hehl aus seiner Verwunderung. „Ich würde da nicht hinwollen, schon gar nicht als Deutscher.“
„Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul...“
Ich seufzte.
Er hatte ja irgendwie recht. Ich hatte die selben Bedenken, als mich Ben vor einigen Tagen gefragt hat, ob ich mitkommen will. Er arbeitet in der Tourismusbranche und wurde zu einer Travel-Show nach Athen eingeladen. Sein Flug und seine Übernachtungskosten für ein Doppelzimmer wurden bezahlt. Ich könnte mir also das Zimmer mit ihm teilen und müsste nur den Flug übernehmen. Außerdem könnte ich auch an einer Schiffs-Cruise teilnehmen.
Ich sagte schließlich zu.
Einerseits, weil ich noch nie in Athen war und andererseits, weil ich der Typ bin, der sich solche Gelegenheiten ungern entgehen lässt – und zugegebenermaßen auch deshalb, weil die griechischen Kerle eine interessante Abwechslung versprachen.

Samstag

Um 4:00 Uhr heute Morgen klingelte mein Handywecker – ich hasse diese frühen Flüge! Aber die AirChina hatte den besten Flug und so biss ich in den saueren Apfel. Ben hatte einen Flug vier Stunden später. Der Glückliche!
Mit gemischten Gefühlen saß ich in der S-Bahn Richtung Flughafen.
Wie werden die Griechen darauf reagieren, daß ich aus Deutschland bin? Vielleicht sollte ich gar nicht zugeben, daß ich dies bin? Ich könnte ja einfach englisch reden und sonstwas behaupten. Gedanken, die einem unweigerlich durch den Kopf schießen, wenn man die letzten zwei Jahre nicht im Dschungel fernab jeglicher politischer Berichterstattung verbracht hat. Man braucht nicht drumrum zu reden – das Verhältnis zwischen unsen beiden Ländern war schon mal besser.

„Oh, das ist ja ganz schön leer hier“, meinte ich beim Check-In zu dem jungen Mann hinter dem Schalter.
„Die Anderen waren ja auch alle schon hier...“, antwortete er trocken, während er meine Daten in seinen Computer tippte.
„Naja, das ist dann eben der Vorteil, wenn man das Kommen länger hinauszögert!“ sagte ich süffisant.
Er schaute hoch und musterte mich. „Solange man denn dann auch kommt...“
„DAS kommt immer darauf an, ob sich's auch lohnt...“
Wir grinsten beide.
Tja, unter anderen Umständen...
Mit etwas mehr Zeit...
Wer weiß...
„Hier ist ihre Bordkarte. Ich habe Ihnen einen Platz mit Beinfreiheit und einem freien Platz neben Ihnen gegeben.“ Er zeigte mir sein strahlendweißes Lächeln.
„Das ist aber sehr nett von Ihnen!“
„Wenn ich will, kann ich unheimlich nett sein.“
„Das sollte ich mir merken...“ antwortete ich im weggehen. Na, der Trip fing ja schon mal vielversprechend an!

                    

Als das Flugzeug in Athen landete, freute ich mich, daß das Wetter hier deutlich besser ist, als zu Hause. Ich ging sofort zur Metro, kaufte mir mein 8 Euro Ticket und fuhr zum Stadtzentrum. Während der 60 minütigen Fahrt wurde die Bahn immer voller. Von den Gesprächen, die um mich herum stattfanden, verstand ich kein einziges Wort. Manchmal dachte ich ein spanisches oder russischer Wort zu hören, aber wirklich etwas verstehen konnte ich nicht. Das konnte ja heiter werden mit der Kommunikation! Auch die Schriftzeichen konnte ich nicht lesen. Zum Glück wurde alles auch in lateinischer Schrift angezeigt.

Ich stieg an einem der Hauptplätze Athens aus – dem Syntagma Platz. Die Metrostation war nagelneu. Nicht nur der Boden, auch die Wände waren modern gefliest. Irgendwie erstaunte mich das, wenn man seit zwei Jahren Griechenland nur mit Finanzkrise in Verbindung bringt. Was sich wohl ein New Yorker denkt, wenn er nach Athen kommt?

Nachdem ich im Hotel im Süden der Stadt angekommen bin, machte ich mich sofort auf den Weg, die Gegend zu erkunden. Egal wo ich hinblickte, sah ich nur gut hergerichtete Häuser. Für Stadthäuser sahen sie sogar regelrecht edel aus. Auch die ganzen Cafés und Restaurants, an denen ich vorbeilief, machten einen neuen und schicken Eindruck. Lediglich die Fussgängerwege (unbenutzbar) und die Autos (zerbeult) deuteten darauf hin, daß ich mich ganz klar in einer südländischen Stadt befand.

„Wo kommen Sie her?“ fragte mich der junge Kassierer auf englisch, als ich ihm die Wasserflaschen auf den Tresen stellte.
Ich zögerte kurz.
„Deutschland...“
„Oh“ er schaute mich durchdringend an und ich blickte etwas unsicher zurück. Dann fingen seine Augen an zu leuchten und er lächelte mich an: „Das war ein gigantisches Spiel gegen Brasilien! Wow! 7:1“
„Das war es in der Tat!“ antworte ich dankbar.
„Ihr erstes Mal in Athen?“
„Ja, bin gerade erst angekommen.“
„Sie werden diese Stadt lieben!“ Er packte meine Sachen in eine Tüte.
„Eff...haar.. ress.... too“, versuchte ich mich mit einem Danke auf griechisch.
„Eucharisto“, verbesserte er mich und lachte breit.
Keine Frage nach der Politik. Kein negativer Kommentar. Nur reine Freundlichkeit.
Irgendwie erleichterte mich das. Schon seltsam, wie man sich von Tagesgeschehen beeinflussen lässt.

Drei Stunden später kam Ben im Hotel an. Obwohl er heute nicht so früh raus musste wie ich, war er völlig platt und musste erstmal eine Runde schlafen.
Und ich saß auf Kohlen.
Ich wollte ins Zentrum.
Ich war hungrig danach.
Und ich wollte zur Akropolis.
Sie zumindest sehen. Denn ebenso wenig, wie man aus jedem Fenster in Paris den Eiffelturm sieht, sieht man hier von überall die Akropolis. Und auf der Fahrt zum Hotel war irgendwie immer ein hohes Gebäude im Weg.
Wobei, wenn ich genau sein will, dann wollte ich den Parthenon sehen. Den antiken Tempel, welcher erhaben auf dem Stadtberg steht, der eigentlich den Namen Akropolis trägt. Die meisten denken ja, daß dieser Tempel Akropolis heißt.

Bis Ben endlich so weit war, hatte ich den Stadtplan und den Reiseführer auswendig gelernt und genug Zeit gehabt, die Möglichkeiten für das Abendprogramm auszuloten.
Alles spielte sich demnach um die Akropolis ab. Im südlichen Bereich sah es laut Karte nach einem Park aus. Na, das wäre eher etwas für einen Sonntagsspaziergang, dachte ich.
Also nichts für heute.
Dann gab es östlich den bekannten Altstadtteil 'Plaka', indem es von Restaurants und kleinen Geschäften nur so wimmeln soll. Einige Gay Bars gibt es dort auch.
Das klang schon vielversprechend.
Das schwule Zentrum Athens hat sich allerdings im westlichen Teil im Stadtteil Gkazi (Ghazi) entwickelt.
Das klang doch sogar sehr, sehr vielversprechend.

Unser Plan stand fest – erst in die Plaka zum Abendessen, dann nach Gkazi und die schwule Szene unsicher machen. Es war ja schließlich Samstag!

„Haben sie eine Reservierung für einen Tisch dort?“ fragte uns unser Taxifahrer im besten Englisch auf dem Weg zum Restaurant Strofi in der Plaka.
„Nein, wir dachten, wir fahren einfach hin und fragen...“ antwortete Ben.
„Bin mir nicht sicher, ob sie Erfolg haben werden.“ er schüttelte den Kopf.
„Oh Mann“, sagte ich, „Wir sind ja auch clever. Samstag Abend 20 Uhr. Da bekommt man nicht einmal im abgelegensten Restaurant noch einen Tisch.“ Ich ärgerte mich darüber, daß wir nicht vorher daran gedacht haben und mein Magen zeigte seinen Unmut durch ein lautes Knurren.
Nachdem Ben die telefonische Bestätigung bekommen hat, daß frühesten um halb elf ein Tisch frei werden würde, hieß es umzudisponieren.
„Ich kann sie zur Apostolou Pavlou bringen, da gibt es viele Restaurants...“
„Ist das weit?“
„Nein, gleich hier unterhalb der Akropolis. Von da haben sie auch einen schönen Blick auf bei Nacht.“
Wir stimmten zu.
Doch gleich darauf war ich mir nicht mehr sicher, ob das eine gute Entscheidung war. Denn er fuhr genau dorthin, wo ich den Park auf dem Stadtplan gesehen habe. Aber egal, dachte ich, die Pawlow'sche Bedürfnispyramide – sprich: Hunger stillen – hat längst die Oberhand über meine Entscheidungsfreiheit übernommen.

Ich irrte mich.
Ich irrte mich gewaltig!
Nicht, was meinen Hunger anbelangte, sondern die Entscheidung anzuzweifeln.
Es sah zwar zunächst tatsächlich aus, wie eine breiter Weg durch einen Park. Aber er glich eher einer Fussgängerzone. Menschenmassen tummelten sich in der Abenddämmerung vorbei an Straßenmusikanten, Malern und Souvenirverkäufern. (Schade, daß das rechte Foto hier das einzige ist, welches scharf geworden ist von der Fussgängerzone. Aber doch irgendwie nett, wie er da so versunken in sein Spiel dasitzt, oder?) 

 Und das Beste war - der Parthenon lag rechts oben auf dem Hügel in goldgelbes Licht getaucht.

Toll! Das war ein erster Blick auf die Akropolis, den ich nicht vergessen werde!

                          

In Thiseio (Thissio) fanden wir gleich einen kleinen Platz und das Restaurant Lontos. Die Lage war exponiert. Vor uns das Treiben der flanierenden Menschen. Dahinter oben auf der Akropolis die angestrahlten weißen Säulen der Tempelgebäude.
In jeder anderen Stadt würde man erwarten, daß man horrende Summen in einem Restaurant an so einem Platz zahlen würde. So waren wir echt erstaunt, als wir zu zweit eine Rechnung über 35 Euro erhielten – für zwei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte, Bier, Wein, Wasser. Obendrein gab es natürlich den obligatorischen Ouzo aufs Haus. Dann kam noch eine riesige Portion Bananensplit. Als wir dem Kellner sagten, daß wir das Eis gar nicht bestellt haben, lachte er nur und sagte, daß geht ebenfalls aufs Haus. Wir blickten uns um, und tatsächlich, die anderen Gäste hatten auch so eine Portion vor sich stehen.
Eigentlich wollten wir von diesem Platz gar nicht mehr weggehen. Wir fühlten uns so wohl hier. Es war mittlerweile dunkel geworden und alle Restaurants um uns herum waren schön beleuchtet. Die Leute flanierten weiterhin. Einige weitere Straßenverkäufer hatten neue Stände aufgebaut. Als es etwas frisch wurde, brachte uns der Kellner einen Wärmepilz. Da war keine Spur von aufgesetzter und geschäftsmässiger Freundlichkeit bei ihm zu spüren – es war echte Freundlichkeit.

Aber wir brachen dann doch auf. Schließlich schreibe ich hier ja einen schwulen Blog über meine Erlebnisse und da dürfen natürlich die Gay-Bars Athens nicht fehlen.
Innerhalb von zehn Minuten sind wir in den Stadtteil Gkazi gelaufen. Spätestens als wir auf dem Platz direkt über der Metrostation Kerameikos ankamen, waren wir begeistert, daß wir uns doch auf den Weg gemacht haben.
Ein Restaurant neben dem anderen, dazwischen Bars, alle stilvoll und – ich will sagen- elegant gemütlich eingerichtet. Die Leute waren jung, ich würde sagen durchschnittlich so knapp unter dreißig. Es war zwar kein schwules Publikum, aber ihre Freude und Fröhlichkeit war ansteckend.
Schon wieder ein Ort, an dem wir gerne bleiben wollten.
Doch es war mittlerweile 22:30 Uhr. Morgen steht ein Tagesausflug auf dem Meer zu verschiedenen Inseln an.
Das heißt, wir müssen morgen um 6 Uhr aufstehen.
Das heißt auch, daß wir leider nicht bis in die Puppen wachbleiben konnten. Aber ich wollte für Euch unbedingt so viele Bars wie möglich besuchen.

Die Gay Szene verteilt sich rund um den Kerameikos-Platz. Wobei die meisten Gay-Clubs und Bars Athens sich nordlich von ihm befinden und eher in Seitenstraßen. An den ersten, der Bar Almaz und dem Sodade Danceclub, sind wir fast vorbeigelaufen, weil sie komplett dunkel waren. Offenbar öffnet der Sodade Club erst ab 23 Uhr. Aber die Bar Almaz hätte eigentlich schon geöffnet sein sollen.Seltsam.

 

 Als wir die Hauptstraße Iera Odos überquerten, traf man mehr einzelne Männer an. 

Der Grund: ganz einfach, hier ist die Gay-Sauna Alexander zu finden. In regelmäßigen Abständen verschwand ein Typ nach dem anderen in der Sauna. Natürlich standen auch einige Kerle in Lauerstellung vor der Tür, oder auf der anderen Straßenseite.
Ganz offensichtlich wollten sie entweder auf ihren Traumprinzen warten, dem sie dann unauffällig ins Innere folgen konnten. Oder sie wollten abwarten, bis auch wirklich genügend Kerle anwesend waren, um ihre Chancen und die Auswahl zu erhöhen. Ben und ich schauten uns an – doch auch wenn es durchaus reizvoll gewesen wäre der Sauna zumindest einen kleinen Besuch abzustatten, zogen wir weiter. 

 

Wir landeten um die Ecke im Enodia. Das ist ein kleiner netter Gay-Laden – eine Mischung aus Café und Bar. Viel los war hier leider nicht. Aber die Kellner waren nett anzusehen und hatten absolut ihren Spaß mit einigen Selfies, die sie mit ein paar der Gästen schossen.
Nach einem Erfrischungsbierchen ging es auch schon weiter in Richtung der schwulen Dance-Clubs Athens: dem MOE, dem Noiz und dem FOU.

 

Doch wir waren einfach viel zu früh dran. Man sah, wie die Angestellten sich auf den Ansturm vorbereiteten, aber noch war kein Gast weit und breit zu sehen. Wahrscheinlich ist es in Athen ebenso wie in Spanien üblich, eher ab 2 Uhr nachts in die Clubs zu gehen. Davor wird eher mit Freunden nett in einer Bar gechilled.

 

 

 

 

 

 

 

 Es war mittlerweile Mitternacht. Wir standen vor der Wahl – zurück ins Hotel oder sollten wir noch einen kleinen Umweg machen zum BIG, der schwulen Bären Bar von Athen. Das würde einen kleinen Fussmarsch von 5 Minuten bedeuten. Auch auf die Gefahr hin, daß dort ebenfalls noch nichts los ist, gingen wir hin – ein Absackerbierchen geht noch!

Das BIG lag in einer Seitenstraße der Iera Odos. Es war sehr ruhig in der Straße und wir befürchteten, daß die Bar sogar geschlossen sein könnte.
Aber dann DAS!
Das BIG war brechend voll!
Als ob sich alle Schwulen Athens hier versammelt hätten. Gute Musik, Gelächter, ausgelassene Stimmung, geile Kerle – alles prasselte auf ein mal auf uns ein. Unfassbar!
Zur Theke war fast kein Durchkommen. Als wir unser Bier hatten, drückten wir uns zwischen zwei Gruppen von Kerlen.
Klar erkannten alle, daß hier Frischfleisch anwesend ist. Ihr kennt das sicherlich auch. Man erkennt Fremde in der eigenen Stamm-Bar sofort. Genauso, wie man eben in einer fremden Stadt als Neuer erkannt wird. Und irgendwie scheint der Reiz des Neuen den eigenen Marktwert in die Höhe zu treiben. Vielleicht ist es auch die Aussicht auf schnellen, unkomplizierten Sex. Denn die 'Gefahr', daß man sich wieder über den Weg läuft, ist ja ziemlich gering.
Wir genossen die Aufmerksamkeit und lächelten in alle Richtungen, was das Zeug hält. Aber für ein Abenteuer waren wir heute nicht zu haben – dazu wog die Last des frühen Aufstehens morgen zu sehr auf unseren Schultern. Aber toll, daß wir noch so einen schönen Abschluss des Abends hier in Athen hatten.
Schweren Herzens verabschiedeten wir uns und schnappten ein Taxi zurück zum Hotel.

Es ist jetzt 2 Uhr.
Ich bin platt, aber auch happy. Der erste Tag in Athen hat mich wirklich überrascht. Die Stadt ist klasse! Die Menschen sehr entspannt und ehrlich freundlich. Keine Spur von Feindseligkeit gegenüber uns Deutschen. Und soo unglaublich viele tolle Plätze hier, die wir bereits heute entdeckt haben. Das hat heute bereits für einen Wochenblog gereicht – deshalb sorry, falls ich zu viel geschrieben habe – und danke, falls ihr bis hierher durchgehalten habt.
PS. Falls ihr mehr zu den Bars und Clubs in Athen wissen wollt, schaut mal in unserem Gay City Guide vorbei: Gay Athen
Der zweite Teil folgt!

Euer Tom, der jetzt ganz schnell die Augen schließen muss!


Tom in Athen

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