Fort Lauderdale - Wo Florida besonders rosa ist

08.08.2012
 
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Zehn Stunden muss man fliegen, um zur schwulsten Urlaubsregion an der Ostküste der USA zu gelangen: Fort Lauderdale in Florida! Dann ist man dort, wo die Sonne ewig zu scheinen scheint, die Strände blank geputzt sind und die Männer gern nackt in den Gästehäusern cruisen.



Die Region Fort Lauderdale bietet das ganze Jahr hindurch angenehme bis hochsommerliche Temperaturen, azurblaues Wasser und Strände wie aus dem Bilderbuch. Dazu herausgeputzte Villen, Dutzende schwule Resorts, Bars, Clubs und - wer das nötige Kleingeld besitzt - elegante Yachten zum Abhängen. Diese Mischung finden auch schwule Touristen aus aller Herren Länder ziemlich anziehend. Einige von ihnen sind sogar für immer geblieben. „Es war immer mein Traum, hier zu leben", sagt Richard Gray, der vor 19 Jahren aus New York hergezogen ist und unter anderem damit Geld verdient, die 12 Zimmer seines Gästehaus, dem „Royal Palms Inn“, an schwule Urlauber zu vermieten. "Außerdem ist es im Vergleich zu Miami sehr günstig hier. Und in welcher anderen Großstadt der USA werden Schwule so akzeptiert?"

Resorts ausschließlich für Schwule? In Fort Lauderdale gibt es sie wie Sand am Meer

Richard ist ein Pionier, er muss es wissen. Als er 1991 das Royal Palms eröffnete, war er der Erste, der ein Gästehaus ausschließlich für schwule Männer aus dem Boden stampfte. Um Fort Lauderdales Reputation stand es seinerzeit nicht zum Besten; die Stadt war vor allem dafür bekannt, beliebtes Urlaubsziel party- und sauffreudiger Studenten zu sein, die hier eine Woche lang ihre Spring Break-Feiern zu verbringen. Ende der 80er-Jahre hatte die Stadt die Nase voll von den Alkoholexzessen und erklärte den Studenten, sie seien nicht mehr willkommen. Dann kamen die Homosexuellen. Sie kamen nicht zufällig, es tat sich etwas in Fort Lauderdale: Jahr für Jahr eröffneten mehr schwule Gästehäuser, Bars, Clubs, Cafés, Restaurants und Saunas ihre Pforten. 2009, so schätzt das Fremdenverkehrsamt der Stadt, besuchten eine Million Lesben und Schwule die Region Greater Fort Lauderdale. Über 40 (!) Gay- und gayfriendly Gästehäuser buhlen um die schwulen und lesbischen Gäste, meist sind es US-Amerikaner von der Ostküste oder Europäer.

Clothing Optional lautet die Chiffre für Cruising im Adamkostüm

Die meisten Resorts richten sich ausschliesslich an schwule Männer. „Clothing Optional“ heisst die Chiffre. Das heisst, in den Unterkünften ist das nackte Sonnenbaden am Pool und das Flanieren im Adam-Kostüm auf den Gängen erlaubt. Nächtliches Cruisen inbegriffen … Die meisten Gay-Resorts befinden sich nur wenige Blocks vom Fort Lauderdale Beach Boulevard entfernt, von den Locals auch schlicht A1A genannt. In Höhe der Sebastian Street gibt es einen Schwulenstrand. Einheimische und Touristen trudeln täglich ein, um ein Bad in der Sonne oder im Atlantik zu nehmen. Vor allem in der Hochsaison, die von Weihnachten bis Mitte April dauert, stapeln sich die Sonnenhungrigen wie die Sardinen in der Dose. Der Beach steht für Eitelkeit und Selbstdarstellung, für schöne und muskelgeschwollene Bodys. Vor allem am Wochenende trifft sich Fort Lauderdales Szene zur körperlichen Begutachtung. Schwulenstrandbesucher, die mit mit den Gepflogenheiten an europäischen Stränden per Du sind, dürften allerdings enttäuscht sein: Hier wird nicht gesoffen (verboten) und schon gar nicht unterm Sonnenschirm die Libido befriedigt (sehr verboten).

Wer ein Abenteuer sucht, ist im Schwulenviertel in Wilton Manors besser aufgehoben als am Strand

Wer derlei Absichten hegt, sollte sich nach Wilton Manors begeben, dem eigentlichen Schwulen- und Lesbenviertel der Stadt. Mögen sich die Resorts auch (fast!) alle in unmittelbarer Nähe zum Atlantik niedergelassen haben, der Homo-Zirkus spielt im rund drei Kilometer entfernten Wilton Manors. Darum aufgepasst: Wer bei kein Auto mietet, ist aufgeschmissen. Der öffentliche Nahverkehr ist zwar tagsüber akzeptabel, ab 23 Uhr aber stehen die Busse still – da hilft nur noch ein Taxi, was einen für rund 15 Dollar vom Gästehaus zur Schwulenbar kutschiert. Lohnend ist ein Besuch im Restaurant „Rosie's“ - ein Gay-Restaurant mit einer riesigen Terrasse, das Hamburger-Gerichte in allen möglichen Variationen anbietet. Die Preise sind günstig, das Personal flott und freundlich - und es gibt jeden Abend eine Menge Lesben und Schwule zu sehen, der Laden brummt ohne Ende. Ebenfalls ein Muss: Der trink- und partyfreudige Absturztempel „Charlie's“ und die düstere Crusing-Bar „Ramrods“, in deren dunklen Ecken man gern verloren geht …

Und tagsüber? Wie wäre es mit einem Besuch bei den Alligatoren?

Wer sich ausgetobt hat und den Rest der Zeit nicht den ganzen Tag am Pool oder am Strand verbringen will, sollte unbedingt einen Ausflug in die rund eine Stunde entfernten Everglades unternehmen. Zum Beispiel zur "Billie Swamp Safari“-Expedition; dort erhält man einen wunderbaren Einblick in die Schönheiten von Flora und Fauna der Everglades: ein rasantes Luftkissenboot führt während der rund 30-minütigen Tour durch die Sümpfe und Graslandschaften, vorbei an Alligatoren, Flamingos, Pelikanen, Kormoranen, Waldstörchen und Riesenschildkröten. Der Guide, der das Boot steuert, sitzt ganz hinten auf einem Hochsitz und warnt bei jeder Fahrt: „Bitte nicht den Arm aus dem Boot strecken“. Als er in einer von Mangroven überwuchernden Bucht hält, erfährt man auch, warum man seinen Rat befolgen sollte: Aus dem glitschigen Wasser lugen plötzlich – wie aus dem Nichts – Glubschaugen eines Alligatorpärchens heraus …

Ein Muss ist ein Besuch in der Sawgrass Mills Outlet Mall

Auf der Rückfahrt nach Fort Lauderdale bietet sich ein Stopp im Sawgrass Mills Outlet an. In Floridas größtem Outlet-Einkaufs-Tempel gibt es nicht nur unzählige Shops von namhaften Modelabels (Puma, Nike, Adidas, Calvin Klein, Lacoste, Hugo Boss, Tommy Hilfiger und viele, viele mehr), sondern auch Preise, von denen man bei uns in Zürich nur träumen kann. Es ist wohl nicht übertrieben, zu behaupten, dass es hier so gut wie alles mindestens 50% günstiger als bei uns zu ergattern gibt. Man sollte einen halben Tag einplanen, um die mehr als 300 Shops zu erkunden – mindestens! Dafür hat man dann beim nächsten Ausgang in die Züricher Szene was Schickes vorzuweisen. Man muss ja nicht verraten, wo man es gekauft hat ...