Taipeh: Stadt der lächelnden Twens

02.03.2013
 
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Kein Ort der Welt verbindet die offenherzige Kultur Chinas so sehr mit einem freizügigen westlichen Lebensstil wie Taiwan. In der Hauptstadt Taipehs sind heiße Kerle ebenso zu entdecken wie spannende Sehenswürdigkeiten – da geht man gern mehr als eine Nacht verloren. Und wer einfach nur abschalten will, unternimmt einen Ausflug ins Hinterland: Dort versprechen Natur und romantische Seen Romantik pur. Ideal für einen Honeymoon-Urlaub! Von Marcel Weyrich



Das Angebot der Schwulenszene der Hauptstadt des Inselstaats Taiwan ist größer als das manch europäischer Großstadt. Neben dem Q-Stay, einem Hotel nur für Schwule, gibt es sogar mehrere Saunen. Das Schöne an der Schwulenszene Taipehs ist, dass alle Locations fußläufig zu erreichen sind. Sie befinden sich in dem kleinen, aber feinen schwulen Village namens „Red House District“. Der Name leitet sich ab von dem Theater in dem Viertel, dem „Red House“. Das Theater, dessen Wand aus roten Backsteinen besteht, bietet in seinem Hinterhof eine schwule Flaniermeile par excellence.

Wobei Hinterhof mächtig untertrieben ist, in Europa könnte auf der Fläche ein opulenter Wohnblock Platz haben. Diese geschützte Atmosphäre fördert eine wahrhafte Village-Stimmung - eine Schwulenbar nach der nächsten reiht sich hier auf – und macht das Flanieren zum Catwalk mit Spähfunktion. Wer hier abends durchspaziert sieht jeden - und wird von jedem gesehen. Was sich im Übrigen sehr lohnt. Denn wenn etwas in Taiwan in ist, dann sind es Muskeln. So manche Europäer, die klischeebeladen bei chinesischen Genen an gut „gepolsterte“ Mondkuchengesichter denken, werden hier vom Gegenteil überzeugt. So mancher Europäer, so pfeifen es die Spatzen von den Dächern der Stadt, habe erst in Taipehs Schwulenszene bemerkt, dass Asiaten ganz schön attraktiv sein können.

Kaum angekommen im Schwulenviertel, winken einen die Taiwanesen herbei

Allerdings gibt es nicht nur Muskelkerle zu bestaunen: Wie bei uns tummeln sich in der Szene Bären, Twinks oder eben die Cuties von nebenan. Europäer stehen hier schnell im Mittelpunkt. Kaum angekommen, winken asiatische Twinks neugierige Ankömmlinge aus der Spaziermeile in der Mitte des Platz zu ihren Bars heran. „Two for one“ und „Come here“ rufen sie, um davon zu überzeugen, doch das erste Bier in ihrer Bar zu nehmen. Für „Bären“ könnte das die „Bear Bar“ sein, um einen ersten Einblick in die sehr gut ausgeprägte Bärenszene zu erhalten. Wer internationaleres Publikum vorzieht, sollte das „Café Dalida“ ansteuern, hier trifft sich im wahrsten Sinne die Welt. So sind hier auch einige Barkeeper Nicht-Asiaten. Doch auch jede andere Bar ist einen Besuch wert, einige auch tagsüber zum Kaffeetrinken.

Aber nicht nur das Angebot an Schwulenbars, auch das Alltagsleben zeigt, wie fortgeschritten Taiwans Gesellschaft gegenüber Homosexuellen ist. Die HIV-Prävention ist staatlich gefördert. An jedem Wochentag sind Cuties in den Bars anzutreffen, nicht nur am Wochenende. Einmal im Jahr, im Oktober findet ein CSD statt, der laut Veranstalter der größte in Asien ist. Erst nach der Jahrtausendwende nahm der Pride seinen Schwung auf, relativ schnell wuchs an; im vergangenen Jahr zählten die Veranstalter 40.000 Besucher.

Zum CSD ziehen Tausende Teilnehmer durch Taipehs Innenstadt

Auch organisatorisch passiert viel. „Man merkt, dass die Pride-Organisatoren von Jahr zu Jahr professioneller werden“, so Arvid Torres, ein Mexikaner, der zwei Jahre zuvor zum Studieren nach Taiwan zog. Er sitzt an einem der Tische im Redhouse Destrict am Abend nach der Parade. Die fand unweit des Präsidentenpalastes statt, ausgehend von einer straßenbreiten Bühne, wie Deutsche sie nur in Berlin zu Gesicht bekommen. Tausende Demonstranten zogen durch die Innenstadt Taipehs. Parallel zum laufenden Verkehr schleusten die Organisatoren in enger Zusammenarbeit mit der Polizei und unzähligen Volunteers die Aktivistengruppen am laufenden Verkehr der Millionenmetropole vorbei. Jetzt, am Abend, streifen nur noch ein paar der vielen schillernde Figuren aus der Parade mit Glitzer im Haar im Village umher. Wer sich nicht schon auf eine der Partys wie etwa im GSTAR begeben hat, sucht im Village nach einer chilligen Variante, die etwas günstiger ausfällt. 15 Euro muss man mindestens auf den Tisch legen, wenn man eine Schwulenparty in Taipeh besuchen will, am Pride-Wochenende 20 Euro. Ein internationales Bier ist je nach Happy Hour dafür schon für 2 bis drei Euro zu haben.

In den Saunen langen die Taiwanesen gern schon einmal sehr direkt zu ...

Und wer es darauf anlegt, kann von hier ja auch noch gut in eine der nahe gelegenen Saunen weiterziehen. „Who wants to go to Aniki “, ruft ein Taiwanese, der aber auch schon länger in den USA gelebt hat. Englisch ist die einzige Sprache, die alle am Tisch verstehen. Twens wie er – zumindest wirkt er nicht älter als Mitte zwanzig – tummeln sich in diesem Moment vor allem in der Aniki Sauna. Sie hat den Ruf, die „jüngste“, „sauberste“, aber mit etwa 20 Euro auch die teuerste zu sein. Etwas günstiger kommen Cruising-Fans im „Office“ unter etwa 30 bis 50ig-Jährigen zu ihrem Vergnügen. Doch Achtung: „In Taiwan packen Männer in der Sauna auch mal etwas direkter zu“, so ein österreichischer „Office“-Tourist.

Wer auch etwas vom tropisch warmen Tag genießen möchte - selbst im Dezember fallen die Temperaturen selten unter 15°C -, hat die Qual der Wahl. Der Taipeh 101 Tower ist das wohl berühmteste Wahrzeichen Taiwans, war fast 10 Jahre das höchste Gebäude der Welt. Auch heute noch ragt er hoch über die restlichen (Hoch-)Häuser Taipehs. Die Stadt bietet ansonsten einen Blick auf die Geschichte Taiwans Abspaltung von China und bietet in der Ciang Kai Check und der Sun Yat-Sen Memorial Hall seinen Revolutionären. Im Umfeld der Tschiang Kai Chek Memorial Hall sind auch Nationaloper und -theater zu finden, regelmäßig finden traditionell taiwanesische Aufführungen statt.

Unbedingt vorbeischauen auf einem der Nachtmärkte

Ein Muss für Touristen ist der Besuch eines Tempels wie dem Longshan Tempel - in unmittelbarer Nähe zum Redhouse Districts. Als kulinarisch-kultureller Höhepunkt sind die vielen Nachtmärkte zu empfehlen, wie etwa der Shilin Nachtmarkt. Hier kann günstig Kleidung geshoppt werden und nach Herzenslust geschlemmt werden. Als Nachtisch zu den für Asien bekannten Teigtaschen gibt’s auch besonders schwulen Nachtisch: Kuchen in Form eines Penis – jeweils mit schwarzer oder auch weißer Soße.Aber nicht nur Taipeh an sich ist den Flug nach Taiwan wert, das restliche Land auch auch viel zu bieten. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann am Sun Moon Lake romantische Tage verbringen. Luxuriöse Hotels mit etwa eigenen Pools im Zimmer direkt am See laden zum Abschalten mit dem Liebsten ein – und für alle Singles einfach zum entspannen. Naturfreunde können sich bei einer Tour durch die Berge an Ausblicken laben, die selbst einen Schweizer ins Staunen bringen können.

Anreise: Von Frankfurt aus gibt es mit China Airlines eine Direktverbindung nach Taipeh ab 692 Euro.

Übernachtung: Q Stay Gay Hotel, No.42, Sec. 2, Changsha St., Wanhua District. Taipeh hat ein eigenes Hotel für Schwule, das fußläufig vom Gay-Ausgehviertel "Red House" erreichbar ist. Zwar hat es wenige Zimmern mit eher gehobener Ausstattung und entsprechenden Preisen, dennoch ist es meist ausgelastet. Natürlich mit ausschließlich schwul-lesbischem Publikum, wie eine Thekenkraft bestätigt.  

Sun Moon Lake Hotel, No. 419, Zhongshan Road, Shuishe Village, Yuchih Township Taiwan (R.O.C). Das Hotel scheint sich auf die Fahne geschrieben zu haben, seinen Gästen einen besonders intensiven Einblick in die besondere Atmosphäre des Sun Moon Lake zu bieten. Direkt am See gelegen können Gäste von der Restaurantterrasse aus über einen Steg schlendern. In vielen Zimmern lockt Privat-Mini-Pool statt Badewanne.

Information: Mehr Informationen rund um Taipeh und den Rest des Landes gibt das Taipei Tourism Office, Rheinstrasse 29, 60325 Frankfurt, Tel 069-610743,
info@taiwantourismus.de, www.taiwantourismus.de