WinterPride in Whistler - Manche mögen's kanadisch

27.12.2011
 
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Während des Winter Prides in Whistler hoffen Pistensäue und Skihasen auf ein perfektes Programm - und heiße Flirts. Die Chancen stehen nicht schlecht: Mehrere hundert Lesben und Schwule tummeln sich jährlich in dem illustren wie schicken Wintersportort, hoch oben in den Bergen von British Columbia. TomOnTour hat sich auf dem rosa Happening umgesehen – und einige Unterschiede zu den hiesigen Gay Ski Weeks festgestellt …


Unten, gleich neben dem Hallenbad des edlen Fairmont-Hotels, planschen vier Amerikaner in dem Außen-Whirlpool. Die Stimmung ist heiter, sie jauchzen und johlen in dem dampfenden Wasser um die Wette. Am Poolrand stehen Gläser, gefüllt mit Hochprozentigem. Als ein junger Mann mit muskulösem Körper, etwa Mitte 20, vorbei läuft, halten sie für einen Moment inne. Mit ihren gläsernen Augen lechzen sie ihm Schritt für Schritt hinterher – vergeblich. Sein Weg führt ihn direkt in die Arme einer jungen Blondine, die ihn mit einem Kuss empfängt. Der Stimmung des Quartetts tut dies keinen Abbruch; sie ordern gleich die nächste Runde Gin Tonic.

Anstrengend sei der Tag gewesen, berichtet einer von ihnen. Jeff ist sein Name, er ist 37 Jahre alt und mit seinen drei Freunden aus Seattle angereist. Mit dem Auto. Viereinhalb Stunden benötigten sie für die rund 350 Kilometer aus dem Norden des US-Bundesstaates Washington nach Whistler, erzählt er. Jedes Jahr sind sie zu Gast beim Winter Pride-Festival in Whistler, dem nordamerikanischen Pendant zum Gay Snowhappening in Sölden. „Es ist das einzige richtig große Ski- und Snowboardevent für Schwule und Lesben, das wir mit dem Auto erreichen können. Jedes Jahr hatten wir eine Menge Spaß“, sagt Jeff mit einem Augenzwinkern. Das dürfte auch in diesem Jahr so sein, dann findet die 20. Ausgabe des „Gay & Lesbian Ski/Snowboard Week – WinterPRIDE 2012“ statt, wie das Event offiziell heißt. „Während dieser Woche, genauso wie im ganzen Jahr, empfängt Whistler dich mit offenen Armen und Respekt“, heißt es im Vorwort der Event-Informationsbroschüre, die im ganzen Dorf ausgelegt ist.

Whistler ist ein echter architektonischer Blickfang

 Auch Gordon Campell, der Premierminister British Columbias, Ken Melamed, der Bürgermeister Whistlers, und Barrett Fisher, die Präsidentin des Fremdenverkehrsamtes, haben den Teilnehmern der schwul-lesbischen Skiwoche warme Grußworte auf den Weg gegeben. Doch nicht nur die Gastfreundschaft der politischen Prominenz begeistert viele Lesben und Schwule. Der Ort gilt als ziemlich schneesicher, über 200 Pisten und Geländeabfahrten führen direkt vom und ins Dorf. Die Lifte starten mitten im Zentrum, und die Pisten enden nicht selten gleich vor dem Hoteleingang. Und mit seinen putzigen Straßen, romantischen Plätzen und dem von Naturstein und Holz geprägten Stadtbild ist Whistler auch ein architektonischer Blickfang.

Lesben und Schwule, die seit Jahren Stammgäste des rosa Wintersport-Happenings sind, schätzen in Whistler darüber hinaus die phantastischen Pisten und die flotten Lifte, Flirtwillige den bunten Gäste-Mix aus Jung und Alt und Gourmets die guten Restaurants mit internationaler Küche: In Whistler kochen Japaner und Chinesen ebenso wie Italiener und Franzosen. Und natürlich fehlen auch klassische Steakhäuser nicht, denn die US-amerikanischen Gäste, an denen es wahrlich nicht mangelt, lieben sie über alles. Und damit man am Abend im Restaurant nicht neben einem Pulk heterosexueller Landeier sitzen muss, gibt die Informationsbroschüre brav Tipps, wo man an welchem Tag doch prima dinieren könnte. Am Montagabend wird das Bavaria Restaurant, am Dienstag das Aura at Nita Lake, am Mittwoch das 21 Steps, am Donnerstag das Araxi und am Freitag das Bearfoot Bistro empfohlen. Die Community nimmt die Hinweise dankbar entgegen; Abend für Abend sind die jeweils empfohlenen Restaurants fest in schwul-lesbischer Hand.

Langeweile oder Leerlauf? Nö! Nicht während des WhistlerPrides!

Und auch in der übrigen Zeit vermeiden die Macher des WinterPrides, Dean Nelson und Ken Coolen, alles, was nach Leerlauf oder Langeweile aussehen könnte. Bereits um 8 Uhr öffnet der Informations- und Ticketsaal im Hilton Hotel – wer nach einer durchzechten Nacht nicht mehr so recht in der Lage ist, die Informationsbroschüre zu lesen, dem wird hier geholfen. Passionierte Ski- und Snowboardfahrer dagegen, die jede Stunde auf der Piste nutzen wollen, treffen sich um 10 Uhr auf dem Blackcomb Mountain zum gemeinsamen Ski- und Snowboardfahren. Nach der Gruppeneinteilung in Anfänger, Fortgeschrittene und Pistensäue übernimmt mindestens ein Freiwilliger das Ski-Guiding der jeweiligen Gruppe.

Das funktioniert am ersten Tag auch sehr gut. Mehrere Dutzend Lesben und Schwule haben sich eingefunden, dick eingehüllt in stylischen Skiklamotten. Denn sehen und gesehen werden, das gilt auch und gerade in Whistler. Doch eine Clique, sie kommt offenbar aus Colorado, hat anderes im Sinn. Den Jungs ist weniger nach einem Abstecher in den Tiefschnee; sie erkundigen sich gleich zu Beginn nach einer prächtigen Hütte zum Feiern. Man merkt: Auch in Kanada ist die gepflegte Hüttenpause für viele unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Skiurlaubs. Wilde Après-Ski-Partys inklusive „Jager Bomb“ (Red Bull mit Jägermeister) und sexy Flirts sind interessanter als geschwungene Abfahrten auf der Piste. 

Beim Après-Ski gibt's nur House Music auf die Ohren ...

Apropos Après-Ski: Die gibt es während des WinterPrides natürlich auch. Doch wer sich darunter ein geselliges Nachmittagszusammensein mit viel Schlager- und Popmusik in einer urigen Hütte vorstellt, erlebt sein blaues Wunder. Die Wahrheit ist: kein Britney Spears, kein Abba und schon gar kein Wolle Petry. Hütte auch nicht. Sämtliche Après-Ski-Partys finden unten im Dorf statt, meist in den großen Bars, manchmal sogar in den Konferenzräumen der Hotels oder – so wie am letzten Wochenende – im Kongresszentrum. Gespielt wird ausschließlich House- und Trance-Musik. Kostenlos ist der Spaß auch nicht, meist wird ein Eintritt zwischen 12 (Montag) und 15 (Freitag und Samstag) kanadischen Dollar fällig. Und auch die Getränkepreise sind nicht ohne: Eine kleine Flasche Bier ist in der Regel nicht unter 7 Dollar zu haben. Die Schweiz lässt grüßen …

Für Samantha und Jennifer, beide um die 40, und aus Kalifornien ist das aber alles kein Problem. „Oh, in Europa hört ihr Schlager auf den Après-Ski-Partys. Was ist Schlager?“, fragt sie neugierig. Versuche, ihnen musikalische Klänge von den Höhnern oder Andrea Berg näher zu bringen, scheitern schon nach wenigen Sekunden: zu laut wummern die House-Sounds aus den Anlagen. Dafür erzählen sie ein wenig von sich: „Lesben sind hier natürlich in der Minderheit, wie so oft auf den großen Gay-Happening“, erzählt Jennifer. Aber das mache ihnen nichts aus, mit den „harten und vielen weichen Jungs“ verstünden sie sich einfach exzellent. „Wir lieben es einfach so wie es ist“, sagt Samantha. Zwei Stunden später trifft man sie wieder. Nun hat sie einige Longdrinks intus, ihre Freundin Jennifer tanzt auf dem Dancefloor. „Sag mal, könnt ihr nicht den Lesben aus Deutschland sagen, dass sie auch mal vorbeikommen sollen. Nächstes Jahr vielleicht?“. Machen wir gern.

Anreise: British Airways fliegt sieben Mal pro Woche von London nach Vancouver. Wer zum Beispiel nach Whister zum WinterPride möchte, fliegt im Februar von Hamburg nach Vancouver und zurück schon ab rund 587 € in World Traveller, der Economy Class von British Airways auf Langstrecken. Exklusiven Rundum-Service und ein komplett flaches Bett genießen Gäste in Club World, der Business Class von British Airways auf Langstrecken. Ein Club World Ticket von Hamburg nach Vancouver und zurück gibt es im Februar ab rund 2.187 €. Mehr Infos und Buchung auf www.britishairways.com

Übernachten: Hilton Whistler Resort & Spa Hotel, 4050 Whistler Way Whistler, BC V0N 1B4, Kanada, Tel. 001-604 932-1982, 4-Sterne-Hotel mit kleinem Spa- und Fitnessbereich, beheiztem Swimmingpool und Jacuzzi. Die Zimmer verfügen über eine Kochecke, TV-Gerät, kostenloses W-LAN, Telefon und großzügige Bäder sowie teilweise Balkon. Ideale Lage, mitten im Dorf. Mehr auf
www.hiltonwhistler.com

Fairmont Chateau Whistler, 4599 Chateau Boulevard, BC V0N 1B4, Kanada, Tel. 001-604 938 8000, Am Fuße der Berge von Blackcomb gelegen, zeichnet sich das Luxushotel durch exzellenten Service, eine herausragende Küche und luxuriöse Unterkünfte aus. Im Vida Spa gewinnt man Abstand vom Alltag und genießt die natürliche Eleganz dieses Spas, in dem Heilung und Gesundheit im Vordergrund stehen. Großes Fitness-Studio! Mehr auf www.fairmont.de/whistler  

Und sonst: Wer sich über das touristische Angebot in Whistler informieren will, für den ist die Website
www.whistler.com die beste Adresse. Lesben und Schwule, die das WinterPride-Festival besuchen wollen, finden alle Infos zu Hotels, Restaurants, Clubs und dem Programm auf der Website http://gaywhistler.com.