Viva CSD!

29.06.2017
 
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Viva Colonia

Köln gilt als die heimliche Schwulenhauptstadt Deutschlands. Kein Wunder: Sie ist die Stadt des Frohsinns, der Lebensfreude, der Liberalität und der Aufgeschlossenheit. Das zeigt sich besonders zum CSD, der jährlich Anfang Juli die Regentschaft in der Domstadt übernimmt. Auch Heteros lassen sie da nicht zweimal bitten ... Weitere Infos in Toms Gay Guide Köln 2017!


In Köln laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren: Partyveranstalter buchen exklusive Veranstaltungslocations, die Händler ringen um die besten Verkaufsplätze und bei der Polizei plant man schon jetzt, wie man am geschicktesten die Menschenmassen durch die City laufen lässt. Der lokale TV-Sender Center TV wird wieder live übertragen, ebenso wie Kölns Radiosender Nummer 1, Radio Köln. Die Rede ist vom Höhepunkt des Cologne Pride-Festivals, der Tag, an dem die große CSD-Parade durch die Kölner Innenstadt stattfinden wird: der 9. Juli. Auch in diesem Jahr erwartet der Veranstalter, der Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST) wieder mehr als 1.000.000 Zuschauer zur größten Homo-Parade Deutschlands. Viele von ihnen kommen seit Jahren extra zum CSD-Wochenende nach Köln, auch aus Österreich und der Schweiz sind regelmäßig Busladungen an Besuchern auf den Straßen und Plätzen zu beobachten.

Das diesjährige CSD-Motto lautet "Nie Wieder ..."

In diesem Jahr wird das kölsche Pride-Festival unter dem Motto "Nie wieder ..." gefeiert: "NIE WIEDER! ist der gesellschaftliche Konsens seit dem zweiten Weltkrieg. NIE WIEDER! sollen sich die schrecklichen Ereignisse der damaligen Zeit wiederholen. Schwule und Lesben wurden stigmatisiert und verfolgt. In einer Welt, die spürbar politisch nach rechts gewandert ist, müssen wir daran erinnern und fordern: NIE WIEDER", erläutert der KLuST in seiner diesjährigen CSD-Broschüre. Fünf Vorstände, ein hauptamtlicher Mitarbeiter und unzählige weitere Ehrenamtliche arbeiten beim KLuST rund ein Jahr lang, damit Köln im Sommer zwei Wochen lang fest in lesbisch-schwuler Hand ist. Der Vorstand übernimmt dabei die Gesamtkoordination, versorgt die Presse mit Informationen, achtet darauf, dass der Verein finanziell auf soliden Beinen steht, entwickelt die Kampagne zum jährlich wechselnden Motto und nimmt sich vieler weiterer Themen an.

Die Kölner haben das CSD-Festival, vor allem aber die Parade am Sonntag, schnell in ihr Herz geschlossen. Bereits wenige Jahre, nachdem die erste Parade in Köln stattfand (1991), wuchs die Zuschauerzahl auf über 100.000 an. Jahr für Jahr wurden es mehr, seit rund 10 Jahren liegt die Zahl stabil bei weit über 500.000. Die Medien der Domstadt, allen voran der Kölner Stadt-Anzeiger, der Express, die Regionalausgabe der Bild-Zeitung, Radio Köln und der Sender Center TV, berichten bereits im Vorfeld ausführlich über das Event. Zuweilen sogar enthusiastisch, wenn beispielsweise der Express in großer Vorfreude eine Karte mit der Paradestrecke abdruckt. Das alles erinnert den Kölner doch sehr an den geliebten Rosenmontagszug - nur eben bei angenehmen Sommertemperaturen - und genau deshalb mischen sich unter die Paradenbesucher sehr viele Heteros. Egal ob auf der Deutzer Brücke, am Gürzenich oder auf der Schildergasse: Überall sieht man Heteropaare und Familien, zuweilen sogar Kegelclubs, die mehrere Fässchen Kölsch dabei haben, und für die die Parade der passende Anlass ist, es einmal richtig krachen zu lassen.

Wenn die Einwohnerzahl Kölns auf Gayromeo ins Unermessliche steigt, dann muss CSD sein ...

Und vor allem in der Schwulenszene tut sich was: Es ist die Zeit, in der die Bars auf der schwulen Ausgehmeile Schaafenstraße am Rudolfplatz förmlich überquellen, die Einwohnerzahl Kölns auf Gayromeo ins Unermessliche steigt und das Reinigungspersonal in den Schwulensaunen Phoenix und Badehaus Babylon darüber flucht, an diesen Tagen Dienst leisten zu müssen. Die Kölner Schwulen schmunzeln über den Besucheransturm zum CSD. Nicht wenige freuen sich diebisch, dass sie zumindest einmal im Jahr den Berlinern den Titel als unumstrittene Homo-Hauptstadt Deutschlands streitig machen dürfen. Klar, auch in Köln weiß man, dass Berlin viermal so groß wie die knapp eine Million Einwohner zählende Domstadt ist und man im Vergleich der Schwulenszenen allenfalls bei den Badehäusern die Nase vorn hat.

Aber, und das hört immer und immer wieder unter Kölner Schwulen, vielen ist die Hauptstadt zu groß und zu kalt. Damit ist nicht unbedingt der graue und – im Vergleich zu Köln - bitterkalte Berliner Winter gemeint. Die Rede ist von der Mentalität. Frohsinn, Lebensfreude, Humor und Jovialität sind des Kölners Markenzeichen. Eigenschaften, die den Hauptstädtern gänzlich fremd sind, so die Meinung vieler Kölner. Zwar finden viele Besucher, dass es nicht schaden würde, wenn der Kölner an sich etwas bescheidener mit seinem Lokalpatriotismus hausieren würde, aber das ficht den Kölner herzlich wenig an. Und erst recht nicht zum Karneval. "Dat Hätz vun der Welt, jo dat is Kölle, dat Hätz vun der Welt, dat schlät am Rhin" (dt. „Das Herz von der Welt, ja das ist Köln, das Herz von der Welt, das schlägt am Rhein“) röhrt es jährlich zur fünften Jahreszeit aus den Kehlen Hunderttausender (trinkfreudiger) Kölner.

Viele finden: Köln ist die untypischste Stadt Deutschlands

Viele Touristen aus dem In- und Ausland klinken sich da gerne ein. Und jene Schwulen, die ein wenig mit Deutschland fremdeln, finden: Köln ist die untypischste Stadt Deutschlands. Denn ihre Einwohner lassen fünf gern gerade sein, spotten gerne über sich selbst und gehen bei ihrem Gegenüber schon nach kurzer Zeit gern auf Tuchfühlung. Wer dies hautnah einmal erleben möchte, sollte sich – je nach Gusto und Geschmack – am CSD-Wochenende in die Altstadt (ledrig, bärig, deftig) oder am Rudolfplatz (szenig, jung, chic) die Nacht um die Ohren schlagen. In der Altstadt rund um den Alter Markt verspricht besonders die Cruisingbar Station2b spannende Begegnungen mit anderen Kerlen, die auf der Suche nach einem Abenteuer sind. In dem zweigeschossigen Club vergnügt man sich oben an der großen Bar und dem auf dem Dancefloor oder unten im Cruising-Labyrinth samt Einzelkabinen und Darkrooms.

In der Gegend rund um den Rudolfplatz geht es deutlich kosmopolitischer zu. Hier lümmeln sich die Schönen, Jungen und Junggebliebenen tagsüber bei einem Latte Macchiato im Café Era oder vergnügen sich abends bei Kölsch, Longdrinks und Cocktails in den angesagten Bars IX und Ex-Corner bevor es nach Mitternacht in die Clubs geht. Kölns Partyszene teilt sich in drei Fraktionen auf: Zum einen die Housemusik-Fraktion, die es auf die Partys Greenkomm und SEXY zieht. Die Indierock-Fans, die in Köln zahlreich vertreten sind, zieht es den alternativen Stadtteil Ehrenfeld auf die Backstage Diaries und die brot&spiele. Die Twens und Teenies dagegen haben mit dem Venue-Club eine zuverlässige Adresse: Partys wie die Poptastic 2.0 lockt jedes Wochenende Hunderte Youngsters, besonders aus dem Kölner Umland, in den Club in der Nähe vom Heumarkt.

Après CSD: Rheingarten oder Belgisches Viertel?

Wer es nicht zum CSD nach Köln schafft und sich in Ruhe die Stadt vor oder nach dem CSD ansehen möchte, darf um einige Sehenswürdigkeiten keinen Bogen machen. Der Dom, klar, gehört stets bei einer Köln-Visite dazu. Wer den lohnenswerten Aufstieg zur Turmplattform wagt, sollte eine gute Kondition haben: Jeweils 580 Stufen sind auf einer engen Wendeltreppe für den Auf- und Abstieg zu bewältigen! Anschließend lohnt ein Ausflug in die Altstadt an den Rhein, besser gesagt zum Rheingarten. Wer Hunger oder Durst hat, sollte sich hier aber einen Besuch der Restaurants verkneifen: Sie sind häufig ohne Flair, haben recht hohe Preise und bieten vor allem einen Touristenrummel sondergleichen.

Besser: Ins Belgische Viertel – das seinen Namen übrigens wegen seiner Straßennamen trägt. Hier finden sich stylische Designergeschäfte mit Kreativmode, aber auch viele kleine Filmproduktionen haben sich hier niedergelassen. Und in keinem anderen Stadtviertel wohnen so viele Schwule. Auf einen Abstecher lohnt das Hallmackenreuther am Brüsseler Platz im Retro-Chic der 70er-Jahre. Künstler, Medienschaffende und sonstige Intellektuelle studieren hier bei einem Milchkaffee die tageszeitung (taz) oder plaudern über ihre neuesten Projekte. Ein herrlich entspannter Ort, um Kraft für die nächste Gay-Party zu tanken. Denn die kommt in Köln garantiert. CSD hin oder her.

Weitere Informationen:

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