Valencia - Paella, Tapas und hippe Clubs

22.12.2009
 

Barcelona und Madrid sind die Dauerbrenner unter den spanischen Gay-Städtereisezielen. Ihr Erfolgsrezept? Kosmopolitisches Flair, Kunst und Kultur zum Verlieben, sündige Szene-Bars. Aber warum immer auf eingetretenen Pfaden trampeln? Alternativen gibt's in Spanien schließlich genug. Valencia zum Beispiel ...



Tagsüber lässt es sich entspannt durch die Altstadt flanieren, die Kriege, Besatzern und Überschwemmungen getrotzt hat. Zahlreiche Häuser sind mit Liebe bis auf den kleinsten Mauervorsprung restauriert worden; es kommt einem auf den Plätzen so vor, als spaziere man durch ein riesiges Aquarellgemälde.  Was nicht unbedingt überrascht: Valencia gehört zu den spanischen Städten mit der größten Anzahl an Jugendstilbauwerken. Autos können und dürfen in den engen Gassen nicht fahren, für Hektik und Lärm ist kein Platz. Am Tage gleitet das Leben denn auch ganz gemächlich durch Valencia, wie ein breiter Fluss. Die zum Weltkulturerbe ernannte Seidenbörse (Lonja), die Markthalle (Mercado Central) und die Stadttore Torre de Quart und Torres Dels Serrans helfen bei der Orientierung in dem Gassenlabyrinth. Die Markthalle ist besonders besuchenswert. Sie gilt als größte Markthalle Europas, in der sich auf einer Fläche von insgesamt 8.000 Quadratmetern Dutzende Verkaufsstände aneinander reihen. Frisches Obst, typisch spanische Schinken- und Käseköstlichkeiten, Delikatessen sowie die „Horchata“, die berühmte Erdmandelmilch, stillen den kleinen und großen Hunger nach dem ersten ausgiebigen Stadtrundgang – und das zu überraschend günstigen Preisen. 

Der Turia-Park ist für Schwule besonders spannend in der Nacht ...

Schwule Touristen sollten sich das 1957 trockengelegte Flussbett des Turia ansehen, das sich über elf Kilometer quer durch die Stadt zieht. Selbst im November verblüfft die mittlerweile in einen Park verwandelte Ebene durch exotisch anmutendes Grün. Zwischen den Brücken „Pont del Real“ und „Pont del Calatrava“ spielt sich am Abend, mit Einbruch der Dunkelheit, und vor allem frühmorgens nach dem Party-Clubbing ein reges schwules Treiben zwischen den Bäumen und Sträuchern ab. Wer in den Clubs nicht so recht auf seine Kosten kam, kann hier am frühen Sonntagmorgen bei einem Spaziergang durchs Grüne noch so manches Abenteuer erleben! Apropos Party-Clubbing: Für das Nachtleben gelten in Spanien bekanntlich eigene Gesetze. Wohl in keinem anderen Land der Welt zieht es die Nachtschwärmer so spät in die Bars und Tanzschuppen. Valencia setzt noch einen drauf: Die Stadt ist dafür bekannt, dass man noch ein wenig später ausgeht als anderenorts in Spanien. Mögen die Party People in Barcelona und Madrid gegen Mitternacht in den Bars und gegen halb drei in den Clubs auftauchen, hier dagegen gelten folgende „Gesetze“: Vor ein Uhr braucht man erst gar nicht in den Bars zu erscheinen, und vor 3 Uhr herrscht in den Diskotheken tote Hose. Wirklich. Wer glaubt, bereits um Mitternacht losziehen zu können, kann den Barkeepern zuschauen, wie sie die Rollläden zum Opening hochziehen. Dann aber passiert erst einmal eine halbe Stunde, Stunde lang gar nichts. Kurz vor 1 Uhr trudeln dann die ersten Gäste ein ...

Gay-Clubbing: Man feiert wild und vor allem lang! 

Beachten sollte man allerdings, dass es unter der Woche in Valencias Schwulenszene eher beschaulich und recht übersichtlich zugeht – Partyheuschrecken kommen besser am Wochenende. Ab Freitagnacht wird es nämlich hektisch. Dann ist es vorbei mit der Gemächlichkeit. Man feiert wild und vor allem lang, und auch die Schwulen der Stadt haben in dem Szene-Viertel Valencias schlechthin, dem Barrio del Carmen, ihr Territorium abgesteckt. Der mitten im Viertel gelegene Plaza Tossal ist das Epizentrum für die Nachtschwärmer am Freitag- und Samstagabend. Auch die meisten Gay-Bars und -Clubs haben sich hier niedergelassen. Zuvor aber startet man auf den vielen Terrazas oder Plätzen in der Innenstadt, begibt sich dann auf Häppchentour durch die zahlreichen Tapas-Bars, um weit nach Mitternacht in den Bars und Clubs aufzuschlagen. In Valencia ergibt sich vieles spontan, und irgendwie wissen alle ziemlich gut, wo und wann sich etwas tut. Alles spricht sich schnell rum, manchmal dauert es nur in einer Stunde, dem Handy-Zeitalter sei Dank. Wo gestern noch gähnende Leere herrschte, drängen sich heute schon die tollen Jungs an der Theke. Gegen drei (!) Uhr zieht man ins Deseo 54, rund fünf Minuten mit dem günstigen Taxi entfernt. Das Publikum ist ziemlich jung, kaum einer ist über 35. Auffallend viele Mädels begleiten ihre Jungs. Ob homo, bi oder hetero – die Grenzen verschwimmen im Deseo 54. Und das Schöne daran: Kaum einen interessiert es in Valencia ...

 
Anreise. Im Winterflugplan 2009/10 bietet Lufthansa vier Mal wöchentlich Direktflüge von Düsseldorf nach Valencia an. Diese werden durch tägliche Flüge von SWISS ab Zürich ergänzt. Billigkönig Ryanair bedient die Strecke von Frankfurt-Hahn ebenfalls viermal in der Woche, von Düsseldorf-Weeze dreimal wöchentlich - vom letztgenannten allerdings nur im Sommerflugplan. Air Berlin bedient Valencia im Winter fünfmal wöchentlich nonstop von Köln-Bonn, im Sommer täglich. Von Stuttgart aus fliegt die Airline im Sommer dreimal in der Woche nach Valencia.

Unterkunft. Hotel Meliá Inglés, Marqués de Dos Aguas, 6, Tel. +34-963516426, 3-Sterne-Boutique-Hotel im ehemaligen Palast der Herzöge von Cardona, mitten in der Altstadt, DZ ab 105,- Euro, www.solmelia.com! Hostal Antigua Morellana, Calle en Bou, 2, Tel. +34-963915773, einfach, sauber, zentral und günstig – wer auf sonstige Annehmlichkeiten verzichten kann, ist hier goldrichtig, DZ ab 48,- Euro, www.hostalam.com.

Restaurants. Restaurant Lalola, Pujada del Toedà, 8, Tel. +34-963918045, stylisches, etwas kühl eingerichtetes Retro-Restaurant mit reichlich schwulem Touch, zentral in der Altstadt gelegen, www.lalolarestaurante.com! Restaurant Casa Roberto, Calle Maestro Gozalbo, 19, +34-963951361, für Freunde der anspruchsvollen Paella, in allen möglichen Variationen

Bars & Clubs. Café de la Seu, C/ Santo Cáliz, 7 (junto al Micalet), alternatives Schwulen- und Lesbencafé im Zentrum der Altstadt, versteckt in einer Seitengasse gelegen, populär
Bar Venial, C/Quart, 26, Disco für jedermann in der Community Valencias, freitags schwul-lesbisch gemischt, samstags dominiert die ganz junge Generation, www.venialvalencia.com.
Dance-Club Deseo 54, C/Pepita, 15, Valencias angesagteste Schwulenparty, House-Music only, am Wochenende ab 3.30 Uhr gut gefüllt, www.deseo54.com!

Informationen. Die Internetseiten www.gayvalencia.org und www.col-lectiulambda.com informieren den schwulen Touristen in Valencia (nur auf Spanisch) über zahlreiche Hotels, Bars, Restaurants und Club, dazu Infos zu Sehenswürdigkeiten und Jahres-Events wie dem Gay Pride. Die Webseiten www.turisvalencia.es und www.landvalencia.com listen alle Sehenswürdigkeiten auf und geben wertvolle Tipps und Hinweise für einen gelungenen Besuch in Valencia.