Budapest - Adrette Perle des Ostens

11.05.2011
 

Das trübe Grau der Häuserfassaden aus der Zeit des Kalten Krieges ist inzwischen bunter Lebensfreude gewichen. Im Vergleich zu westeuropäischen Schwulenzenen fristet die ungarische Hauptstadt allerdings auch 22 Jahre nach der Wende ein immer noch recht bescheidenes Dasein. Langweilig wird es in Budapest aber trotzdem nicht ...



Die Ankunft am Budapester Flughafen verläuft überraschend angenehm. Waren es im Rheinland bei Nieselregen noch unangenehme 18 Grad, präsentiert sich die ungarische Hauptstadt im August standesgemäß: brütend warme 34 Grad. Und auch die Weiterfahrt in die nur 20 Autominuten entfernte City ist kinderleicht. Ein Taxi-Guide fragt englischsprachig nach dem gewünschten Reiseziel, in Nullkommanix erhält man einen Coupon, den man anschließend einem schon wartenden Taxifahrer überreicht. Flughafen-Taxen-Abzocke à la Prag ist da ausgeschlossen. Die Fahrt mit dem Taxi lohnt schon ab zwei Personen. Wer allein reist, ist finanziell besser mit dem Airport-Minibus bedient. Dieser fährt gemeinsam mit anderen Gästen vom Flughafen zur gewünschten Adresse in Budapest – und natürlich auch auf Wunsch zurück. Sparfüchse dagegen steigen in den Bus 200, der bis zur Endstation der Metrolinie 3 fährt (Kobanya-Kispest), von dort geht es innerhalb von 20 Minuten mitten in die Stadt. Dauert aber auch alles in allem rund 60 Minuten ...

Erkundungstour mit Überraschungen

Für den schwulen Besucher hält Budapest einige Überraschungen parat. Zwar kann die rund zwei Millionen Einwohner zählende ungarische Hauptstadt in Sachen Schwulenszene längst noch nicht mit anderen westeuropäischen Städten dieser Größe mithalten, dennoch herrscht hier alles andere als tote Hose. „Ungarn ist katholisch, natürlich nicht so sehr wie Polen, aber weitaus mehr als Tschechien. Es gab auch immer eine schwule Szene in Budapest, auch in den 50er, 60er und 70er-Jahren, als das Land noch unter der Fittiche der Kommunisten stand. Man muss aber auch bedenken, dass Ungarn nur zehn Millionen Einwohner hat. Das ist natürlich schon ein bisschen provinziell. Aber gegen Bangkok ist ja auch Berlin provinziell“, erläutert Jean Jacques Soukup mit einem Schmunzeln. Jean vermietet gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Czaba zu günstigen Konditionen zwei einfache Apartments am zentralen Kristof Square - überwiegend an Schwule. Nicht nur das: am Wochenende bieten die geschäftstüchtigen Jungunternehmer über ihre Webseite www.budapest.gayguide.net. Sightseeing-Touren durch die City an. Ob traditioneller Stadtrundgang am Samstag oder unkonventionelles Szene-Bar-Hopping am Freitag: für jeden dürfte etwas dabei sein. Vor allem aber geht man im Szenedschungel nicht verloren. Denn anders als in vielen Großstädten Westeuropas gibt es in Budapest kein schwules Szeneviertel. Die meisten Bars, Restaurants und Clubs sind auf den 5., 6., 7. und 9. Distrikt verteilt. Wer gut zu Fuß ist, benötigt kein Auto, das U- und Straßenbahnnetz verbindet die zentralen Plätze und Straßen ganz hervorragend.

Invasion schwuler Touristen in der Szene

Hat man ein Gay-Lokal erfolgreich aufgespürt, empfiehlt sich das Budapester Gay-Magazin Na Végre zur weiteren Orientierung. Das monatliche Info-Blättchen im Mini-Format, recht kommerziell aufgezogen, listet - teilweise auch in englischer Sprache - sämtliche schwule Etablissements der Stadt übersichtlich auf. Nicht ganz ohne Grund: in der Schwulenszene tummeln sich zeitweilig mehr Touristen als Einheimische. In der Mutter aller Budapester Schwulenbars, der Cruising-Bar Action beispielsweise, vernimmt man am Wochenende mehr Konservationen auf Englisch als auf Ungarisch. Leider haben sich die Getränkepreise dem internationalen Niveau allmählich angepasst, weshalb sich viele Einheimische die für ungarische Verhältnisse relativ teuren Schwulenbars und –clubs nicht leisten können. Roland, Geschäftsführer des schwul angehauchten Café-Restaurants Eklektika bedauert diese Entwicklung: „Wenn du in Budapest in eine Hetero-Bar gehst, zahlst du für das Bier rund 400 Forint (1,60 Euro), gehst du zwei Häuser weiter in eine Schwulenbar, bist du gut und gerne mit 600 Forint (2,40 Euro) dabei“, erklärt er. Der guten Stimmung in den Clubs tut dies am Wochenende aber keinen Abbruch. Die Diskothek Alterego ist dann zum Bersten voll mit recht jungem Gays und deren besten Freundinnen ...

Abenteuerlustige Erotikfans können dagegen guten Gewissens einen Abstecher in die bei vielen (ungeouteten) Gays populären öffentlichen Bäder Gellert Barth und Kiraly Bath machen. Das Kiraly Bath, 1565 erbaut und ganz in der Tradition eines türkischen Badehauses, ist bei Schwulen besonders an den Männertagen Dienstag, Donnerstag und Samstag beliebt. Wem das zu heikel ist, macht sich auf in die Magnum-Sauna. Die hat zwar bis heute noch nicht so ganz ihren Charme der Wendezeit abgelegt, ist aber am Wochenende gerammelt voll mit kontaktfreudigen Kerlen ...

Am besten mit der Budapest Card die Stadt erkunden

Wer am nächsten Tag noch ausreichend Energie hat, sollte sich einen Stadtbummel durch die Stadt gönnen - zum Beispiel mit der Budapest Card. Seit neuestem wird sie auch als Junior Card und als Walking Card angeboten, zudem komplettiert seit April 2011 eine 24-Stunden Karte für Kurzurlauber das Programm. Damit steht die Budapest Card jetzt in drei zeitlichen Längen zur Verfügung: Je nach persönlicher Aufenthaltsdauer wählen Besucher die Card zwischen 24, 48 und 72 Stunden zum Preis von umgerechnet 21 Euro, 26 Euro beziehungsweise 31 Euro. Dafür erhalten sie freie Nutzung der gebräuchlichsten öffentlichen Verkehrsmittel in Budapest sowie freien Eintritt zu den ständigen Ausstellungen des Historischen und des Ethnografischen Museums sowie des Museums der Schönen Künste in Budapest. Auch die Teilnahme an zwei englischsprachigen Stadtrundgängen durch Pest beziehungsweise Buda sind für Cardinhaber kostenlos. Darüber hinaus werden mit der Karte etwa 100 verschiedene Dienstleistungen vom Eintritt zu Thermalbädern über den Besuch von Sehenswürdigkeiten bis hin zum Essen im Restaurant um zehn bis 100 Prozent günstiger.

Anreise. Germanwings bedient Budapest nonstop von Köln/Bonn und Stuttgart ab 29,99 €, www.germanwings.com. Lufthansa fliegt von Düsseldorf, Frankfurt und München nonstop ab 99 €, www.lufthansa.de!

Unterkunft. Kempinski Hotel Corvinus Budapest, Erzsébet tér 7-8, Budapest, Tel. +36 1 429 3578, E-Mail: hotel.corvinus@kempinski.com, www.kempinski.com! In der Fashionstraße gelegen, wo die schönen Menschen einkaufen und gut Essen gehen, findet sich das Kempinski Hotel gleich gegenüber dem In-Café Alterego. Ein paar Straßen weiter findest du gemütliche Bars wie das Habroló und das Funny Carrot und die schwule Institution der Stadt, die Action Bar.

Informationen. Die Internetseite http://budapest.gayguide.net informiert den schwulen Touristen in Budapest ausführlich über zahlreiche Bars, Restaurants, Clubs, Saunen, Cruising-Treffpunkte und vieles mehr. Die Webseiten www.budapestinfo.hu/de und www.ungarn-tourismus.de listen alle Sehenswürdigkeiten auf und geben wertvolle Tipps und Hinweise für einen gelungenen Besuch in Budapest.