Kuba - Unterwegs in Onkel Fidels Reich

07.05.2014
 
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Als Schwuler nach Kuba? Kann das gutgehen? Aber ja doch! Tobias (30) und Martin (32) aus dem Rheinland haben sich aufgemacht in Onkel Fidel Castros Reich und auch die Schwulenszene unsicher gemacht. Dabei waren sie vor einigen Überraschungen nicht gefeit. Hier der Log der beiden Kuba-Reisenden! 



Eigentlich wollte ich letztes Jahr im Herbst mit einer Freundin in die Karibik zum Inselhopping. Es war schon alles geplant, als wir kurz vor Buchung feststellten, dass zu diesem Zeitpunkt Regenzeit war. Aber wer kommt schon auf die Idee, dass es da eine ungünstige Jahreszeit gibt? Bei der Suche nach einer regenfreien Insel kamen wir auf Kuba. Letztendlich ging es dann aber doch ganz woanders hin. Aber einmal mit Kuba beschäftigt, ließ mich die Insel nicht mehr los. Die beschriebene Lebensfreude in Verbindung mit einer Welt, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, und dazu die besondere politische Situation (Sozialismus) stellten eine faszinierende Kombination dar. Irgendwann stand die Urlaubsplanung 2014 an und da war Kuba nicht weit entfernt. Schnell war noch ein Freund dafür begeistert und nur zwei Monate später saßen wir bereits im Flieger.

Wir wollten viel von der Insel sehen aber gleichzeitig Erholung haben. Eine geführte Rundreise mit Bus kam für uns nicht in Frage, da wir keine Lust auf eine Gruppenreise hatten und flexibel sein wollten. Damit war natürlich die Planung etwas umfangreicher: Mietwagen, zwei Flüge und sechs Unterkünfte warteten auf ihre Buchung, als die Route stand, die wir mit Hilfe eines Führers ausgewählt hatten. Von Havanna ging es nach Cayo Largo del Sur, dann nach Vinales, weiter nach Santa Clara, über Trinidad nach Cienfuegos und mit Umweg über die Schweinebucht hoch nach Varadero. Damit haben wir die wichtigsten Spots der westlichen Hälfte Kubas abgedeckt. Auch im Osten gab es noch den ein oder anderen interessanten Fleck. Das hätte die Route aber erheblich verlängert und damit den Aufwand! Havanna ist die Stadt, mit der man Kuba verbindet, nicht zuletzt wegen dem bekannten Rum "Havanna Club". Vinales ist ein hügeliges Gebiet im Westen mit vielen Tabakplantagen und atemberaubender Natur, landschaftlich mit Sicherheit am reizvollsten. Cienfuegos und Trinidad gelten als absolute Highlights in Sachen Architektur, Cayo Largo del Sur sowie Varadero waren unsere Strandorte. Santa Clara wurde als liberale und junge Stadt angepriesen, in der neben Havanna die Schwulenszene stetig wächst - und durfte damit auf der Route nicht fehlen.

In Havanna war die Schwulenszene schnell ausgemacht

Die Schwulenszene zu erkunden war leichter als gedacht. Zwar gab es im Spartacus kein Kapitel dazu, aber der Lonely Planet verriet ein paar Locations und wie man an Informationen kommt. In Havanna solle man sich laut Führer einfach vor dem Cine Yara im Stadtteil Vedado umhören. Dabei erfährt man, wo was los ist. In einem Land, in dem Internetzugang alles andere als massentauglich ist (staatliche Internetcafes mit Zugang zu horrenden Preisen, ca. 5 Euro pro Stunde) und in dem es keine schwulen Terminmagazine gibt, scheint das auch die einzige Möglichkeit zu sein. Wir waren zugegebenermaßen sehr skeptisch, ob das klappen würde und machten uns nach einer Kabarett-Vorstellung im Le Parisien auf die Socken. Glücklicherweise war das Kino nur unweit davon entfernt. Schon nach wenigen Metern wurden wir von einer enormen Schwulendichte überrascht, die tagsüber so noch nicht zu spüren war. Trotz fehlender Spanischkenntnisse sprachen wir zwei Jungs an, die uns halb auf Spanisch, halb mit Gesten vermittelten, wo was an diesem Abend steigt. Auf dem Weg zum Club Las Vegas, der ein reiner Gay-Club zu sein scheint, kamen wir noch am St. Johns Hotel vorbei, in dem wir schlussendlich auch landeten, da das Vegas noch sehr leer war. Im St. Johns wurde auf oberster Etage unter rein schwulem Publikum gefeiert. Die Party findet – sofern wir das richtig verstanden haben – jeden Freitag statt. Neben diesen beiden Läden gibt es noch die Bar Humboldt, die sogar einen Facebook-Auftritt hat und in unmittelbarer Umgebung des Vegas vorne an der Strandpromenade, der Malecon, liegt und das Cafe Cantante, das samstags zu empfehlen ist.

Der Schwulenstrand Mi Cayito befindet sich an den Playas del Este zwischen Santa Maria und Boca Ciega. Er ist mit dem Bus in 30 Minuten ab dem Parque Central in Havanna erreichbar. Von der Haltestelle Club Atlantico läuft man noch ca. 20-30 Minuten. Der Strand ist mit einer Regenbogenflagge geschmückt und erfreut sich besonders am Samstag eines großen Ansturms. Liegen und Schirme stehen zum Chillen und Schaustellen bereit. Gleich hinter dem Strand laden die Dünen und Gebüsch zum Cruising ein, besonders samstags gut frequentiert.

Santa Clara ist die heimliche Homo-Hochburg Kubas

Im Zentrum Santa Claras wurden wir schon tagsüber von einigen Jungs angeflirtet. Wir waren überrascht von der Vielzahl Schwuler. Für uns das Köln von Kuba. Im Gegensatz zu anderen Ländern stehen die Kubaner dem Thema Homosexualität übrigens sehr offen gegenüber, was – wie wir gelernt haben – einem Film zu verdanken ist. Wir waren übers Wochenende in Santa Clara und gingen am Samstagabend in den Club Mejunje, der sich nicht als Nachtclub, sondern als Kulturstätte bezeichnet. Jeden Abend findet hier etwas anderes statt, samstags ist es eine Travestitenshow, die sich großer Beliebtheit in der Gayszene erfreut.

Ob im Club, im Restaurant oder am Strand, die Kubaner sind sehr offen und zögern nicht lange, jemanden anzuflirten bzw. anzusprechen. Mein Kumpel und ich hatten zusätzlich noch den Frischfleisch-Bonus und den Exoten-Bonus, denn so weiß wie wir war sonst fast niemand. Zusätzlich mag auch eine Rolle spielen, dass wir als Touristen mit Geld in Verbindung gebracht werden und sich der ein oder andere gerne ein bisschen aushalten lässt, besonders in Havanna. Nicht selten wurde der Frage nach einem Boyfriend, die verneint wurde, die Frage hinterhergeschoben, ob man nicht für die fragende Person der Boyfriend sein möchte. Dabei war bereits klar, dass das maximal für ein paar Tage sein würde. Aber Treue scheint in Kuba generell etwas weitergefasst zu werden, egal ob homo oder hetero. Der Spaß und die Lebensfreude stehen im Vordergrund.

Auf die Rolle des Sugar Daddys hatten wir nun wirklich keine Lust

Dennoch: Weniger in Santa Clara und mehr in Havanna hatten wir das Gefühl, ausgenommen zu werden oder ungewollt in die Rolle eines Sugar Daddys zu schlüpfen - dabei musste das kubanische Gegenüber noch nicht mal jünger sein. Fragen wie „Trinkst du gerne Bier“ zielten einzig und alleine der Einladung des Gegenübers. Ich würde mich selbst nicht als geizig bezeichnen, habe aber ein gravierendes Problem damit, wenn erwartet wird, dass ich jemanden einlade. Auch meinem Kumpel ging es da nicht anders. Daher fühlten wir uns im weniger touristischen Santa Clara, wo wir derartige Fragen nicht erhielten, deutlich wohler. Im Gegenteil, hier wurden wir sogar auf eine Flasche Rum eingeladen. Erwähnenswert ist auch, dass einem eine Einladung noch nicht einmal gedankt wird, sondern als selbstverständlich erscheint. Einmal was ausgegeben oder vielleicht sogar nur etwas länger geplaudert, wird man die Jungs auch nicht so schnell wieder los. Man sollte also genauestens überlegen, mit wem man in ein Gespräch tiefer einsteigt.

Nach der Party wollten uns unsere zwei neuen Amigos noch bis zum Hotel begleiten. Wir hatten bereits klargestellt, dass wir sie nicht mit aufs Zimmer nehmen würden. Aber so schnell gaben sie nicht auf. Vor dem Hotel angekommen, genauer gesagt an der Ecke zur ca. 100 Meter langen Hoteleinfahrt, kam ein Security-Mitarbeiter des Hotels auf uns zu und bat uns, die Straßenseite zu wechseln. Unserer Aussage, dass wir dort wohnten, entgegnete er mit einer unglaubwürdigen Erklärung über erhöhte Sicherheitsvorkehrungen auf Grund eines Promis im Hotel. Auch dürften wir die zwei kubanischen Jungs nicht mit ins Hotel nehmen. Das hatte auch sein Gutes, denn so ersparten wir uns jegliche weitere Diskussion mit unseren Verehrern. Als wir uns nun schnell verabschieden wollten, überraschte uns der Security-Mitarbeiter mit einer Geisteswandlung und einer Lobhudelei auf die kubanischen Männer und deren sexuelle Vorzüge. Er schlug zudem vor, ein Hotel um die Ecke anzusteuern - als hätten wir Geld im Überfluss (was im Vergleich wahrscheinlich tatsächlich auf die meisten Touristen zutrifft). Das ganze beendete er mit einem „Yippie-ei-yey, Yippie-ei-yo“, was uns nicht in unserer Meinung umstimmte, aber extrem erheiterte. Die beiden kubanischen Jungs hofften auf ein Wiedersehen am Strand am kommenden Tag und verabschiedeten sich geknickt mit der Bitte um etwas Taxigeld.

Grindr: Geht gar nicht

Grindr oder andere einschlägige Apps haben wir nicht genutzt, da die Kosten hierfür in keinem Verhältnis standen und auf Grund der Unbezahlbarkeit für die Kubaner ohnehin nicht ergiebig sein dürften. In Kuba gibt es kein Gratis-W-Lan in Hotels oder Internetzugang in Privathäusern. Einzig E-Mail scheint über Smartphones zu laufen und gängig zu sein. Wie das sein kann, müssen wir noch herausfinden, also Kuba 2.0 wird kommen. Bis dahin werden wir auch unser Spanisch aufbauen, damit die Konversationen mit den doch vielen nicht Englisch sprechenden Kubanern etwas abwechslungsreicher und unterhaltsamer werden. Adios!