Englands heimliche Schwulenhauptstadt

02.07.2015 - 02.07.2015
 
Englands heimliche Schwulenhauptstadt
Brigthon

2015 markiert einen wichtigen Meilenstein für die LGBT-Gemeinde von Brighton & Hove, denn eines der größten Pride Festival Englands – das Brighton Pride – wird 25 Jahre alt. Aber nicht nur das Pride Festival, sondern die generell entspannte, unkonventionelle Atmosphäre der Stadt sowie ihr Ruf als extrem aufgeschlossen und freidenkend hat Brighton zur „Hauptstadt“ der LGBT-Szene Englands gemacht. Brighton heißt jeden willkommen – und das bereits seit Jahrhunderten – und lädt mit zahlreichen Angeboten zum „dirty weekend“!



Am ersten Augustwochenende in diesem Jahr feiert das Brighton Pride sein 25-jähriges Jubiläum. Es wird erwartet, dass es sich um das bislang größte Festival in der Geschichte der Brighton Pride handeln wird. Unter dem Motto „Karneval der Vielfalt“ zelebriert das südenglische Seebad seine inspirierende, offene und kreative Gemeinschaft, für die Brighton international bekannt ist. Das schillernde Wochenende beginnt am Samstag, den 1. August, um 11 Uhr mit dem großen Umzug der LGBT Community Pride Parade, die mit über 160.000 Teilnehmern und Zuschauern den Verkehr der Innenstadt zum Erliegen bringt. Bunte Wagen und Kostüme in allen Farben des Regebogens feiern sich und die LGBT-Gemeinde – begleitet vom Jubel der Brightoner und zahlreicher Gäste.

Die Parade endet wie jedes Jahr im Preston Park, in dem das eigentliche Pride-Festival stattfindet. Hier treten auf unterschiedlichen Bühnen zahlreiche Musiker, DJs, Künstler und Kabarettisten auf – Stände für das leibliche Wohl sowie ein Familienbereich runden das bunte Angebot ab. Zugesagt haben in diesem Jahr bereits Top Acts wie The Human League, Fatboy Slim, Hercules and Love Affair, Füchse, Jess Glynne, Seamus Haji, Prok & Fitch, Kelli-Leigh, Tulisa, Die Freimaurer, Hell Hell, Blooms sowie Wayne G. Begleitend findet das Brighton Pride Arts and Film Festival statt, welches sich mit Themen von und über die LGBT-Gesellschaft auseinandersetzt. Und zum ersten Mal in diesem Jahr kann man sich auch sportlich – mit einem Augenzwinkern – mit dem Thema Brighton Pride befassen: Die Pride Diversity Games lassen Teilnehmer an verschiedenen Veranstaltungsorten über die Stadt verteilt ganz schön ins Schwitzen kommen – sei es beim Weitsprung, Hürdenlauf, Fußball oder Bowling. Der Spaß steht am Sonntag beim Regenbogen-Run oder dem Fun Day im Vordergrund. Hier werden unter anderem die Sieger im Eierlauf, Sackhüpfen, Tauziehen oder Dreibein-Rennen ermittelt. Tickets für das kunterbunte Pride-Wochenende sind erhältlich auf www.brighton-pride.org.

Mit zahlreichen LGBT-Events durchs Jahr

Neben dem Brighton-Pride-Wochenende Anfang August gibt es in Brighton das ganze Jahr über zahlreiche Veranstaltungen, die sich dem Thema LGBT widmen. Den Anfang macht im Februar der LGBT History Month, der in ganz England gefeiert wird. In Brighton, von vielen als alternativste und offenste Stadt Englands bezeichnet, finden hierzu zahlreiche Ausstellungen, Diskussionsrunden, Filmvorführungen sowie Kabarett- und Theateraufführungen statt. Im Februar 2016 steht der LGBT History Month unter dem Motto „Religion, Glaube und Philosophie“. Der Mai ist der Festival-Monat in Brighton, denn drei Wochen lang findet das größte Kunst- und Kulturfestival Englands, das Brighton Festival, statt. Umrahmt wird das Festival von einem der weltweit größten Fringe-Festivals, bei dem sich zahlreiche unabhängige Künstler und Gruppen kostenlos oder sehr günstig meist auf öffentlichen Plätzen oder der Straße dem Publikum präsentieren können. Innerhalb des Brighton Fringe widmet sich das Pink Fringe im Malborough Theatre dem Thema schwul, lesbisch oder bisexuell sein. Haarig wird es im Juni beim alljährlichen Brighton Bear Weekender. Von Kabarett und Club Night über Bear Breakfast und Picknick bis hin zum Sunday Roast und abschließender Schaum-Party feiert sich die Bear-Szene an diesem Wochenende selbst. Die Bent Double Comedy Show in der Komedia begleitet die LGBT-Szene humorvoll durch das Jahr. Die nächsten Shows moderiert von der grandiosen Zoe Lyons finden am 6. September, 4. Oktober, 1. November und 6. Dezember jeweils um 19.30 Uhr statt.

Rhapsodie in Regenbogenfarben – Bars und Clubs in Brighton

Brighton ist generell für sein abwechslungsreiches und ausschweifendes Nachtleben bekannt, in dem sich die LGBT-Szene nahtlos mit der Straight-Szene mischt. Wer jedoch auf der Suche speziell nach homosexuellen oder lesbischen Bars und Clubs ist, der wird im Stadtteil Kemp Town – umgangssprachlich auch gerne als „Gay Quarter“ bezeichnet – fündig. Bevor die Tanzfläche oder auch der Tisch gestürmt wird, kann man sich in folgenden Bars auf das Nightlife einstimmen: Legends, The A Bar, Doctor Brightons oder The Royal Oak. Anschließend geht es weiter in die Clubszene von Brighton – in der man zu den Beats von House und Pop über Camp Classics bis zu hin zu Trash den Abend ausklingen lassen beziehungsweise den Morgen begrüßen kann. Getanzt, gesungen und gefeiert wird im Revenge, Envy, The Basement Club, Patterns oder Wild Fruit.

Sehen und gesehen werden mit der Piers & Queers Walking Tour

Für alle, die mehr über das Leben in Brighton – heute und in der Vergangenheit – von Schwulen, Lesben, Bi- sowie Transsexuellen erfahren möchten, bietet die Piers & Queers Walking Tour einen ausführlichen Einblick. Die 80-minütige Führung beginnt gegenüber dem West Pier und führt entlang der Seafront bis in den historischen Kern des unkonventionellen Seebades. Auf den Spuren von Lord Byron, Oscar Wilde und Dusty Springfield taucht man in über 200 Jahre „queer history“ von Brighton ein, sieht wo die erste offiziell anerkannte gleichgeschlechtliche Partnerschaft Englands 2104 besiegelt wurde und die erste „inoffizielle“ in 1923 – beide selbstverständlich in Brighton. Neben Persönlichkeiten aus der LGBT-Szene kommt aber auch die Kunst nicht zu kurz: Die „Kissing Policemen“ von Streetart-Künstler Bansky in der Trafalger Street gehören genauso zum Programm wie die „Kissing Wall“ an der Seepromenade.

Wo man(n) und Frau sich bettet

Grundsätzlich sind alle Hotels, Bed & Breakfast-Pensionen und Jugendherbergen/ Hostels in Brighton jedem Besucher ganz gleich ihrer Herkunft oder sexuellen Ausrichtung offen gegenüber und tolerieren keine Diskriminierung. Wer nach Unterkünften sucht, die von Schwulen oder Lesben geführt werden oder besondere Angebote für die LGBT-Szene bereithalten, der findet, insbesondere im Stadtteil Kemp Town, auf jeden Fall etwas passendes. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Boutique Hotel New Steine, welches sich in der gleichnamigen kleinen Straße nur knapp 100 Meter von der Strandpromenade befindet. In dem fünfstöckigen gregorianischen Townhouse hat Gastgeber Herve eine einladende luxuriöse Atmosphäre geschaffen und steht seinen Gästen mit zahlreichen Tipps jederzeit zur Seite. Der französische Stil des Hauses spiegelt sich auch auf der exzellenten Karte des hauseigenen Bistros wieder.

Direkt um die Ecke hat erst kürzlich das Room with a view eröffnet. Hier ist der Name auch wörtlich zu nehmen, denn alle neun Zimmern des kleinen und durchaus feinen Hotels bieten einen tollen Blick auf das Meer. Neben Annehmlichkeiten wie Flat-Screens, Internet-Zugang, einer Nespresso-Maschine sowie kostenlosen Erfrischungen lockt in einigen Zimmern sogar ein privater Balkon und frei stehende Badewannen…und die Szene der St. James Street ist zu Fuß in noch nicht einmal 5 Minuten zu erreichen.

Das Nineteen Brighton ist eines der ersten Boutique-Hotels in Brighton und erfreut sich seitdem einem großen Zuspruch. Das liegt einerseits an dem extrem herzlichen Service und der Hilfsbereitschaft des Personals, jedem Gast sein persönliches Brighton-Erlebnis zu empfehlen und an der tollen Lage zwischen Stadtzentrum und Kemp Town. Andererseits hat es sicherlich auch etwas mit den individuell gestalteten Zimmern zu tun, denn hier findet man zum Teil auch Zimmer, die mit einer privaten Terrasse inklusive Whirlpool locken. Weitere Tipps unter www.visitbrighton.com/gay-brighton/accommodation

„Quirky Facts“: Brighton als Wegbereiter von gleichgeschlechtlichen Ehen

Am 29. März 2014 wurde fünf Minuten nach Mitternacht Geschichte geschrieben in Brighton. Denn mit Andrew Wale und Neil Allard gab sich hier das erste homosexuelle Paar das offizielle Ja-Wort und besiegelte damit die erste gleichgeschlechtliche Ehe, die in England anerkannt wurde. Nach sieben Jahren Beziehung freuten sich die beiden, den Bund für das Leben in der „inoffiziellen Hauptstadt der LGBT-Szene“ zu schließen und das im Musikzimmer des Royal Pavilion – dessen Erbauer George IV. bereits zu seiner Zeit bekannt für seine Offenheit und Exzentrik war.