Ibiza - Kleine Insel, großer Spaß

29.07.2015 - 29.07.2015
 
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Seit Jahrzehnten gilt Ibiza als Mekka der partysüchtigen Nachtschwärmer. Auch die Schwulenszene mischt kräftig mit – von Juni bis Ende September tummeln sich Zehntausende zwischen dem Playa Es Cavallet, den Schwulenbars in der Altstadt und den riesigen Open-Air-Diskotheken.


Zwei Dinge vor allem fallen vielen Leuten ein, wenn sie an Ibiza denken: Elektro-Sounds und krachende Open-Air-Partys in der Nacht. Ob als Jetset-Treff, Promiziel oder Partyinsel – das spanische Baleareneiland hat die mondäne Sommer-Sonne-Strand- und Partyszene so lange geprägt wie kaum ein anderer Landstrich in Europa. Tatsächlich hat die nach Mallorca und Menorca drittgrößte Insel der Balearen auch heute noch beides en masse zu bieten. Die Tanztempel Amnesia, Pacha, Space und Privilege gelten als Synonym für schweißtreibende Diskonächte unter freiem Himmel – und wer lieber unter Schwulen bleiben will, bleibt in der Altstadt und amüsiert sich in Läden wie dem Dauer-Gay-Hot-Spot Anfora.

Ibizas Credo war und ist dabei stets das „leben und leben lassen“. Das liberale und tolerante Flair, ausgelöst durch die Hippiebewegung in den frühen 70er-Jahren, zog viele Prominente in der Vergangenheit an: Schauspielerin und Kabarettistin Gaby Köster etwa hat sich hier niedergelassen, und auch Ulknudel Ralph Morgenstern flüchtet gleich mehrere Monate nach Ibiza, wenn es seine Zeit erlaubt. Nun hat man als gewöhnlicher Tourist nicht unbedingt das nötige Kleingeld, um sich einen Zweitwohnsitz auf der Insel zu bauen. Auch eine Finca zur Miete, weit außerhalb von Ibiza-Stadt, ist nicht unbedingt die erste Wahl für alle, die auf der Insel feiern wollen.

Was für den großen Geldbeutel: das Hard Rock Hotel Ibiza


Wie gut, dass es seit etwas mehr als einem Jahr eine äußerst schicke Alternative gibt: das Hard Rock Hotel Ibiza. Es ist das erste Hard Rock Hotel in Europa, im Frühsommer 2014 hat es mit großem Tamtam eröffnet. Okay, man wundert sich ein wenig, dass der Konzern, den man eher mit gitarrenlastiger Rockmusik in Verbindung bringt, ausgerechnet auf der House- und Elektrosound-Insel Ibiza sein erstes Europahotel eröffnet. Anderseits: Warum nicht, wenn das Preis-Leistungsverhältnis stimmt?

Als wir dort am vorletzten Mai-Wochenende eintrudeln, bekommen wir zunächst einen kleinen Schock: Dutzende Gäste drängeln sich vor der Rezeption. Auffallend viele junge Leute, deren Äußeres eher an exzentrische Club-Besucher erinnert, sind dabei. Ein Gast klärt uns auf: Ibiza feiert an diesem Wochenende den „International Music Summit“ – eine Konferenz, auf der sich namhafte Vertreter der Electro-, Dance- und Technoszene tummeln. Vor allem DJs und Manager der Plattenfirmen nutzen die Chance, sich über die neuesten Trends der Branche zu informieren und auszutauschen.

Hier David Bowie, dort Bob Marley, dahinten Rihanna


Die 493 Zimmer und Suiten des Hard Rock Hotel Ibiza bestechen durch avantgardistische Dekorelemente, Designer-Möbel und den charakteristischen Hard-Rock-Stil, der ständig und überall an die Essenz der Kultmarke erinnert – die Rockmusik. In allen Premium-Suiten finden sich Andenken an Musik-Ikonen wie David Bowie oder Bob Marley und ihre Besuche auf Ibiza. Eine solche Luxus-Suite bekomme ich zwar nicht, aber auch das ganz normale Zimmer überzeugt durch seine schicke, fast schon puristische Anmutung. Besonders hübsch ist der Whirlpool auf dem Balkon, Meerblick inklusive. Allerdings hat die Übernachtung in dem Hard-Rock-Tempel seinen Preis: Unter 200 Euro pro Nacht kommt man hier nicht unter. In der Nebensaison.

Und die ist Mitte, Ende Mai gerade noch so im Gange. Denn obwohl draußen bereits bei Temperaturen um die 28 Grad feinstes Strandwetter herrscht, wird Ibiza erst Ende Mai so richtig aus dem Winterschlaf geküsst. Der Grund dafür ist ziemlich banal: Erst wenn die Riesen-Clubs wie Amnesia, Pacha oder Space ihre Pforten öffnen, gilt die Sommersaison als eröffnet. In der Schwulenszene sieht es deshalb an diesem Wochenende nicht anders aus: die meisten Bars haben bereits geöffnet, der Andrang aber hält sich in Grenzen. Leer ist es aber keinesfalls. Aber eben auch nicht überlaufen. Eigentlich ziemlich angenehm. Davon kann man sich am besten in Ibiza-Stadts Hafenviertel und der historischen Altstadt Dalt Vila überzeugen. Ein Muss für jeden Schwulen ist die Calle de la Virgen, zu Deutsch die Jungfrauengasse.

Für Schwule ein must-visit: die Homo-Gasse Calle de la Virgin

Jungfrauen findet man zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der sündigen Meile nicht, dafür aber jede Menge herrlich verrückter Gestalten. Einer von ihnen ist Erwin. Ihm gehört die Bar Leon am Ende der Gasse. Es ist 23 Uhr, für Ibiza-Verhältnisse noch ziemlich früh am Abend. Erwin sitzt allein in der Bar, die ersten Gäste lassen jetzt, im Mai, noch länger auf sich warten. Er schüttet zur Begrüßung erst einmal einen Kurzen ein: „Der geht aufs Haus“, sagt er mit rauchiger Stimme. Man kann sich mit Erwin wunderbar unterhalten, er lebt schon seit gefühlten Ewigkeiten auf der Insel. Seine Anekdoten über die Insel, über das schwule Leben, sie sind abendfüllend. Das Wunderbare: Er nimmt kein Blatt vor den Mund.

Aber wir möchten noch ein paar andere Bars erkunden. Gleich um die Ecke, in derselben Straße, liegt das Sunrise; es scheint derzeit die angesagteste Schwulenbar auf der Insel zu sein. Draußen ist kein Platz mehr auf den Hockern zu haben, alle schnattern wild durcheinander, egal ob auf Englisch, Spanisch oder Deutsch. Drinnen läuft Pop und House, man trinkt sich in Schaukeln (!) warm für die Nacht. Die Preise allerdings, die sind – wie auf der gesamten Insel – happig. Unter fünf Euro bekommt man kein Bier (0,33 Liter), und für einen Longdrink werden locker zehn Euro fällig.

Wer günstig in die Mega-Clubs will, sollte auf die Promoter achten

Zwischendurch kommt eine Clique ziemlich gutaussehender Diskotheken-Promoter vorbei. Sie verkaufen günstige Tickets für die großen Clubs. Wie groß die Ersparnis ist, erfährt man nicht so genau. Manche munkeln, mindestens 50 Prozent, andere sagen, wer besonders gut aussieht, bekäme sogar Gratis-Tickets. Was in jedem Fall nicht schadet, ist ein guter Kontakt zu den Barkeepern. Die kennen so ziemlich jedes Promoteam und können durchaus ein gutes Wort für einen einlegen, wenn es darum geht, ein günstiges Ticket zu bekommen …

Am nächsten Tag geht es zum Lunch in den Naturpark Ses Salines. Das hört sich erst einmal nicht besonders spektakulär an. Inselkenner aber wissen: Hier befindet sich Es Cavallet, der bekannteste und meist besuchte Schwulenstrand der gesamten Balearen. Manche sagen auch: der schönste. Wer mit dem Bus anreist, was die meisten Schwulen tun, muss allerdings rund 20 Minuten durch den Pinienwald marschieren. Das kann bei Temperaturen von über 35 Grad im Sommer ganz schön schlauchen. Unterwegs allerdings, da sorgen einige Verlockungen für Abwechslung: Der Weg zum Strand ist bekannt als Cruising-Area. Wer also Lust auf ein kleines erotisches Abenteuer hat, sollte nicht zögern, dem Rascheln im Gebüsch doch bitte schön näher auf den Grund zu gehen …

Es Cavallat, der Schwulenstrand, hat nichts von seinem Charme verloren

Der Beach selbst ist ein Traum: feinster Sandstrand mit türkisblauem Wasser. Gegen 13 Uhr ist es noch angenehm leer, die meisten Schwulen – wer kann es ihnen nach den langen Nächten verdenken? – tauchen erst nach 14 Uhr auf. Die Strandbar Chiringay bietet eine ordentliche Karte an. Es gibt Hamburger, Sandwiches und Salate. Allen, denen der Sinn nach Hochprozentigem mit ein wenig Obst ist, sollten sich die Sangria zu Gemüte führen: einfach nur köstlich!

Ein guter Ort, um sich einen weiteren Sangria zu gönnen, ist das Café del Mar in San Antonio bei Sonnenuntergang. Denken wir. Wahrscheinlich war das auch einmal so, Anfang der 80er-Jahre, als die Sunsetbar eröffnete. Der Gedanke: Bei Lounge-Musik köstliche Cocktails trinken und der Sonne beim Untergang noch einmal zuwinken. Aber die Enttäuschung ist groß: Das Areal ist am Abend ab 19 Uhr total überlaufen; vor allem mit jungen Fußballfans aus England, die sich offenbar den ganzen Tag schon die Birne zugebeamt haben und nur darauf warten, noch einmal richtig loszugrölen, wenn die Sonne untergeht. Nein, Schwule und San Antonio, das ist wie Pudding an die Wand nageln. Uns zieht es wieder zurück ins Hotel. Schönmachen für die Nacht. Für eine aufregende Nacht in der Calle de la Virgen.

Hotel. Hard Rock Hotel Ibiza, Preis pro Zimmer ab rund 200 Euro

Restaurants. La Scala, Carrer de sa Carrossa, 7, 07800 Ibiza-Standt, wunderbarer Ort, um draußen zu essen, viele Gäste aus der Schwulenszene, http://www.la-scala.com.

Can Berri Vell, Plaça Major, 07839 Sant Josep De SA Talaia (Eivissa), eines der schönsten Restaurants der Insel, allerdings nicht ganz günstig, www.canberrivell.es