Adventzauber, überall

24.11.2015 - 24.11.2015
 
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Kopenhagen

Es muss nicht immer New York oder London sein: Weihnachtsshopping kann man auch prima in Kopenhagen machen. Wie immer in der Adventszeit hüllen sich Kaufhäuser und Weihnachtsmärkte in ein funkelndes Gewand. Und auch die Schwulenszene verwandelt sich in ein richtig heimeliges Refugium.



Jens aus Düsseldorf steht im Obergeschoss des Kaufhauses Illum und hält prüfend eine Porzellantasse in der Hand. „Das sind 90 Dänische Kronen, umgerechnet 12 Euro also. Ein guter Preis. Zumal ich so eine Tasse bei uns noch nie gesehen habe“, freut er sich. Seine Freunde Thomas und David, ein Pärchen aus Neuss, haben bereits zugeschlagen: In ihrem Einkaufswagen liegen dänische Plätzchen und eine Keramikdose. Jens hakt gerade seine Weihnachtsgeschenke-Liste ab. Das Präsent für seine Mutter ist in trockenen Tüchern. Aber für seine beste Freundin sucht er noch nach einer klassisch dänischen Winterwollmütze. „Wir waren schon 2012 in Kopenhagen zum Weihnachtsshopping. Die Geschenke, die wir mitgebracht haben, kamen sehr gut an. Einige Sachen wie Gold- und Silberschmuck oder Glas- und Keramikartikel sind hier wesentlich billiger als bei uns. Vor allem gibt’s hier Markensachen, die sind bei uns gar nicht erhältlich“, berichtet Shopping-Experte Jens.

Kopenhagen ist zur Weihnachtszeit ein echtes Einkaufsparadies: In der Altstadt und der Fußgängerzone Strøget haben viele Geschäfte im Dezember nicht nur wochentags, sondern auch sonnabends und sonntags bis 20 Uhr geöffnet. In der letzten Woche vor Weihnachten haben sie sogar vereinzelt bis 22 Uhr geöffnet. Auf dem Rathausplatz strahlt der größte Weihnachtsbaum Dänemarks – eine riesige bunt geschmückte Tanne. Die stimmungsvolle, typisch dänische Vorweihnachtsatmosphäre lockt viele Touristen an. Auch kulinarisch gibt es einige Leckereien zu entdecken: Überall gibt es Gløgg, heißen Rotwein mit Aquavit und Gewürzen, Ris á l’amande, weihnachtlichen dänischen Reispudding mit Kirschsauce und einer Glücksmandel, oder das starke, dunkle Weihnachtsbier Julebryg.

Und auch der Tivoli, Kopenhagens weltberühmter Vergnügungspark, verwandelt sich in ein weihnachtliches Freilichtmuseum. Eine halbe Million Lichter sorgen für eine „hyggelige“ Stimmung - zu Deutsch: gemütlich, urig. Die Tivoli-Restaurants haben dänische Jule-Menüs im Angebot, verschiedene nostalgische Fahrgeschäfte und eine mechanische Weihnachtswichtel-Ausstellung sind in Betrieb. Dutzende Holzhütten sind aufgebaut, neben überflüssigen Schnickschnack gibt es durchaus auch geschmackvolles Kunsthandwerk zu kaufen. Weitere Weihnachtsmärkte sind entlang des romantischen Hafenkanals Nyhavnund in der der Hippie-Freistadt Christiania zu besichtigen – da dürfte sich mit Sicherheit ein Geschenk für Heilig Abend finden.

Zum Weihnachtsbummel gehört bei dem Schwulen-Trio aus dem Rheinland natürlich auch ein Besuch in einem der vielen Gay-Restaurants, Cafés, Bars und Kneipen: „Kopenhagen ist eine sehr liberale Stadt, das haben wir bei den Outgames 2009 wieder festgestellt. Die Heteros sind richtig gut abgegangen“, berichtet David. „Hier kann man auch als schwules Paar händchenhaltend durch die Fußgängerzone gehen, ohne dass man blöd angemacht wird“, sekundiert sein Partner Thomas. Kopenhagen gilt als äußerst liberale Stadt, allenfalls vergleichbar mit Stockholm oder Amsterdam. Dänemark war 1989 das erste Land, das die Homo-Ehe einführte, das färbt auf die Toleranz der Bevölkerung ab. Lesben und Schwulen gehören hier längst zum Alltag.

Das Fremdenverkehrsamt der Stadt wirbt seit vielen, vielen Jahren offensiv um lesbische und schwule Touristen und spricht von einer „vibrierenden Szene“. Da wäre zum Beispiel das Oscar-Café in der Nähe des Rathauses – es ist die gute alte Stube der Lesben und Schwulen der Stadt; wenn man so will das Gnosa von Kopenhagen: ein bisschen tantig, ein bisschen intellektuell, tagsüber und abends stets gut besucht – und zur Adventszeit natürlich richtig „hyggelig“. Das lässt sich auch von der ältesten Schwulenbar Dänemarks sagen, dem Centralhjørnet im Quartier Latin, dem Homo-Viertel der Stadt. Die Eckkneipe öffnete bereits vor mehr als 85 Jahren ihre Pforten und ist noch immer ein fester Bestandteil der schwulen Szene in der Stadt. Urig geht’s hier zu, erst recht in der Adventszeit. Ein riesiger Tannenkranz hängt über der Theke, unzählige Weihnachtsengel hängen von den Wänden, das Kerzenlicht schafft eine heimelige Atmosphäre. Richtig hyggelig eben.


Anreise. SAS fliegt Kopenhagen ab mehreren deutschen Flughäfen an - Oneway-Preisen bereits ab 60 Euro (inkl. aller Steuern und Gebühren bei Buchung unter www.flysas.de). Abflughäfen in der Schweiz sind Genf und Zürich – Oneway-Flüge nach Kopenhagen sind hier ab 123 CHF erhältlich.

Unterkunft. Imperial Hotel, Vester Farimagsgade 9, 4 Sterne, 200 Meter vom Tivoli und dem Kopenhagener Hauptbahnhof entfernt, zur Schwulenszene nur rund 500 Meter. Die klimatisierten Zimmer bieten kostenfreien Internetzugang (LAN), Zubereitungsmöglichkeiten für Tee und Kaffee und Designermöbel von Børge Mogensen. DZ für 2 Personen pro Nacht rund 200 €. Informationen und Buchung unter der Tel. +45 – 33 12 80 00 und auf der Website www.imperialhotel.dk

Szene. Café Oscar, Rådhuspladsen 77, gemütliches Café-Bistro, das tagsüber und abends ein bunten Mix an Szeneleuten anzieht, mit kleinem Speisenangebot: www.oscarbarcafe.dk; Bar Centralhjørnet, Kattesundet 18, urig-plüschige Szenekneipe, Institution in Kopenhagen, Publikum ab 25 aufwärts. Cosy Bar, Studiestræde 24, Nachtbar, die ab Mitternacht ein überwiegend junges (Studenten-)Publikum anzieht, recht laute House-, Pop- und R'nB-Musik, kleine Tanzfläche.

Infos. Informationen zu Kopenhagen unter www.visitcopenhagen.de