Sexy as hell

19.10.2016 - 19.10.2016
 
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
  • Sexy as hell
 
Barcelona

Sie ist die Grande Dame der spanischen Schwulenparty-Szene: Barcelona. Aus der ganzen Welt kommen Schwule hierher, um sich ein paar Tage im Eixample - pardon, Gayxample - zu vergnügen. Die Auswahl ist riesig. Wir haben uns umgesehen.


Auf das Gayxample ist einfach Verlass. Als man vor fünf Jahren ins Viertel einbog, kamen einem gleich Dutzende Gays entgegen. So auch heute wieder. Schwule über Schwule. Ob auf der Straße, im Modeshop, im Café oder schnell in die Sauna huschend – die Regenbogenszene ist hier allgegenwärtig. Nicht nur sie: Es gilt als trendy, in dem Innenstadt-Viertel seinen Lebensmittelpunkt zu haben. Das hat zwar seinen Preis, unter 500 Euro gibt es garantiert kein 30 Quadratmeter großes Apartment zu mieten, aber das schert die rund 270.000 Bewohner nicht weiter. In Barcelona wird schließlich gutes Geld verdient, mehr als im Rest des Landes. Die Katalanen gelten in Spanien als „die Deutschen“: pünktlich, fleißig, strebsam, kurzum, recht pflichtbewusst. Sollen sie in Andalusien doch die Fiesta drei Stunden im Schatten der Mittagssonne zelebrieren, in Barcelona gelten andere Gesetze. Und wer es sich unter den Schwulen in Barcelona leisten kann, zieht ins wohlhabende Eixample.

Um neun Uhr am Abend döst das Viertel noch müde vor sich hin. In den Sommermonaten ist es um diese Zeit immer noch ganz schön warm, zuweilen auch schwül. Man sieht allenfalls eine ältere Dame in teurem Kostüm ihr Hündchen ausführen oder geschäftige Anzugträger, die von der Arbeit auf dem Weg nach Hause sind. Bei den meisten Schwulenbars sind noch die blechernen Rolläden herunter gezogen. Hier und da sieht man Verkäufer vor ihren Läden gemeinsam mit der Nachbarin eine Zigarette rauchen.

Eloi Morte ficht das nicht an. Er ist Inhaber und Stadtführer von Rainbow Tours. Wie der Name schon andeutet, ist die Zielgruppe klar umrissen: Lesben und Schwule, die etwas von Barcelonas Vergangenheit und Gegenwart im Eixample erfahren möchten. Stolz legt er los, als man ihn vor dem Axel Hotel trifft: „Barcelona ist eine der attraktivsten Städte für Schwule in Barcelona. Wir haben jährliche eine Million Schwule und Lesben als Touristen zu Gast“, sagt er. Und so haben seine acht Mitstreiter und er eine ziemlich attraktive Nische entdeckt. Der Unterschied zu einem „normalen“ Stadtführer sei klar, erläutert Eloi: „Wir kennen die Szene natürlich aus dem Effeff. Die Gäste können uns alles fragen, welche Cruising-Bars oder Saunen gerade angesagt sind zum Beispiel.“ Vor allem die Nachttouren seien bei den Touristen beliebt, sagt Elios. Man hole die Gäste stets vor ihrer Unterkunft ab. Anschließend mache man einen Rundgang durchs Viertel, zeige den Gästen populäre Restaurants und Bars. Die Touren dauern im Winter zwei und im Sommer drei Stunden. Für zwei Personen kostet die Tour 63 Euro. Bei Alleinreisenden komme es hin und wieder vor, dass die Gäste die jungen Tour-Guides fragen würden, ob man sie nicht noch rauf aufs Zimmer begleiten möchte, berichtet Eloi mit einem Schmunzeln. Das aber, so Eloi, funktioniere nicht: „Wir sind keine Escort-Agentur.“ Manchmal aber, da ist er überrascht über die Fragen seiner Gäste: „Einmal hatten wir zwei Gäste aus Argentinien zu Gast. Sie baten unseren Guide mit aufs Zimmer, weil sie ihm unbedingt etwas zeigen wollten. Einer der beiden öffnete den Koffer und zeigte ihm ein extravagantes Kleid. Er sagte, er habe sich nie getraut, es in der Öffentlichkeit zu tragen. Ob das in Barcelona möglich sei?“

Nach Elois Anekdoten möchte man aber endlich losziehen. Ein guter Ort, um in den Abend zu starten, ist das Punto (Carrer Muntaner, 63-65); eine recht große Bar, die – sehr untypisch für das Viertel – auch am Nachmittag und am frühen Abend viele Schwule anzieht.

Um 10 Uhr geht man ins Restaurant, um 1 Uhr in die Bar, um 3 Uhr in den Club

Dort hält man es locker bis zehn Uhr abends aus - bis die Barcelonesen endlich in den Restaurants zu Abend essen. Vorher braucht man wirklich nicht in den Gourmettempeln aufzutauchen, will man nicht vom Personal wie ein Männchen von einem anderen Stern angeglotzt werden. Hat man erst einmal Platz genommen, gilt es, einige typisch katalanische Speisen zu probieren: Dazu gehört das unentbehrliche pa amb tomàquet (mit frischer Tomate eingeriebene Bauernbrotscheiben), zu dem in der Regel die schmackhaften katalanischen Wurstwaren vom Schwein gereicht werden. Lust auf mehr typisch katalanisches Essen? Dann am besten den Wintereintopf escudella i carn d'olla bestellen; der für Südkatalonien typische Stockfischsalat xató; die calçots, eine Art Frühlingszwiebeln, die mit einer als salvitxada bezeichneten Soße gereicht werden; Schnecken a la llauna; die escalivada, vorzugsweise auf dem Holzfeuer zubereitetes Röstgemüse, und der pikant belegte Brotfladen coca de recapte. Wer davon immer noch nicht satt ist, ordert zum Nachtisch die auch in unseren Breitengerade bestens bekannte crema catalana, die mit einer Karamellkruste überzogenen Cremespeise. Schmeckt in Katalonien natürlich gleich zwei Klassen besser …

Nach dem opulenten Mahl, das die Barcelonesen übrigens gern bis 1 Uhr in geselliger Runde zu sich nehmen, möchte man am liebsten tot ins Bett fallen. Geht aber nicht. Die Schwulenszene ruft. Früher rannte alles, was in Barcelonas Rang und Namen hat, in schöner Regelmäßigkeit ins Dietrich – benannt nach der großartigen Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich. Doch wie viele andere, einst so trendige In-Treffs, hat sich der Laden totgelaufen, die Konkurrenz schnappte gnadenlos zu – so zum Beispiel die Night Bar- eine ziemlich bodenständige Kneipe, die vor allem Männer zwischen Ende 20 und Anfang 50 anzieht. Je später der Abend wird, desto unruhiger werden die Gäste allerdings. Das hat einen einfachen Grund: Im hinteren Teil der Bar ist ein Cruising-Bereich, natürlich mit Darkroom und Kabinen.

Der 45-Jährige ist die richtige Autorität für einen Club-Tipp

Von hier aus lässt es sich ab 3 Uhr in der Früh in die Diskotheken aufbrechen – je nach Geschmacksrichtung stehen einige Tanzclubs zur Verfügung. Für ziemliche Verwirrung sorgen die Arena-Läden: Es gibt nämlich mehrere. Alle gayfriendly! Alles klar? Nein? Keine Sorge, viele Barcelonesen teilen das gleiche Schicksal. „Geht in den Arena Vip @ Tango, der ist am größten und am besten besucht“, verrät dann aber Ricardo, ein Stammgast im Museum. Sein entschlossener Ausdruck dabei, das zerfurchte Gesicht eines etwa 45jährigen Mannes, der offenbar schon alle Exzesse durchlebt hat, scheint die richtige Autorität für einen Tipp ins Nachtleben zu sein.

In der Tat: Der zweistöckige Club (Gran Via, 593) quillt um 4 Uhr geradezu über, etwa 1.500 Besucher tummeln sich auf den Tanzflächen und den Bars. Das Publikum ist extrem jung, es kommt einen so vor, als interessiere die Sicherheitskräfte am Eingang der Personalausweis einen feuchten Kehricht. So gut wie kein junger Schwuler, der nicht seine besten Freundinnen im Schlepptau hat. Dazu auffallend viele Heteros, die Mischung ist sensationell. Aber, je nachdem, welchen Geschmack man hat, auch sehr anstrengend: Wer ist hetero, wer bi, wer gay? Wem das alles egal ist, gibt sich am besten dem durchgeknallten Treiben der vorlauten Teenies hin und feiert bis in die frühen Morgenstunden durch …

Seit ein paar Jahren hat Barcelona endlich auch einen CSD!

Wem nicht der Sinn nach einem Besuch in Barcelona an einem stinknormalen Wochenende ist, sollte Ausschau nach einem großen Gay-Event halten. Seit ein paar Jahren findet zum Beispiel im April das Bärentreffen BEARcelona statt, im August lockt das houseschwangere Circuit Festival und im Oktober das internationale schwul-lesbische Filmfestival. Wer noch vor zehn Jahren Ausschau nach einem CSD gehalten hatte, wurde dagegen bitter enttäuscht. Obwohl Barcelona mit Madrid um den Titel der spanischen Schwulenhauptstadt wetteifert, gab es bis 2009 Jahr kein Pride-Festival in der katalonischen Metropole.

2009 dann die Premiere: Von der Plaça Universitat zog am letzten Sonntag im Juni um Punkt 18 Uhr die Parade los, über die Carrer de Sepúlveda und die Plaça d’Espanya hinweg, bis zur Avinguda de la Reina Maria Cristina, wo ab 20 Uhr bis in die Nacht hinein ein Straßenfest samt riesiger Show-Bühne stattfand. Es war ein Auftakt nach Maß für die Pride-Verantwortlichen: Mehr als 30 Wagen machten bei der Premiere mit, rund 400.000 Zuschauer säumten die Straßen und Plätze. Und wie so häufig in der spanischen Homoszene, floss auch reichlich Hochprozentiges zur rosa Feier des Jahres ...


Unterkunft. Hotel Crowne Plaza – Fira Center, Av. de Rius i Taulet, 1, 08004 Barcelona, Tel.: +34 934 26 22, 4 Sterne-Unterkunft, rund 20 Minuten zu Fuß ins Herzen der Schwulenszene von Eixample.

Informationen. Die Internetseiten www.gaybarcelona4u.com informiert den schwulen Touristen in Barcelona; die Seite listet zahlreiche Hotel-, Bar-, Restaurant- und Clubtipps auf, dazu umfangreiche Infos zu Sehenswürdigkeiten und Jahres-Events; www.barcelonaturisme.com ist die offizielle Homepage des Tourismusverbandes von Barcelona.

Alle weiteren Infos in  "Toms Gay Guide Barcelona 2017"

Weitere Informationen:

Euer Hotel bucht ihr am besten hier: