Eine gute Alternative

01.04.2017 - 01.04.2017
 
Eine gute Alternative Foto: Visit Britain
Bristol & Bath

London, Manchester und Brighton kennt jeder. Das Trio steht quasi auf dem Reisezettel jedes Schwulen, der einmal England entdecken möchte. Schließlich bieten alle drei Städte eine ziemlich aufregende Schwulenszene. Zeit, sich einmal woanders umzusehen. In Bristol und Bath zum Beispiel, im Südwesten der Insel, wo exzellente Fünf-Sterne-Unterkünfte locken. Von Tom Dedek


Es ist früher Abend im Manor House at Castle Combe, einem abseits gelegenem Landhotel im Fünf-Sterne-Format. Hier, rund 30 Kilometer östlich von Bristol, im Cotswold Countryside, kommen alle Gutsituierten her, die in einem ziemlich luxuriösen Ambiete einfach nur abschalten wollen. Gleich wenn man das schwarze Eingangstor hinter sich gelassen hat, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: eine riesige Parkanlage kommt zum Vorschein. Die Bäume, Sträucher, das Gras, alles fein säuberlich und penibel geschnitten. So, als wollten sie einem zurufen: Wir haben uns für euch hübsch zurecht gemacht. Sparfüchse, die jetzt neugierig geworden sind, sollten allerdings acht geben: Unter 200 Euro die Nacht ist hier kein Zimmer zu haben.

Aber dafür bekommt man eine tolle Unterkunft geboten. Das Zimmer: riesig groß ist es, gepflegt und sauber, aber ausgestattet mit allem erdenklichen Technik-Schnickschnack, den man sich nur wünschen kann. Das Personal ist freundlich und zuvorkommend. Am liebsten will man gar nicht mehr fort und es sich hier lieber zwei Tage lang gut gehen lassen.

Starkoch Hywel Jones zelebriert eine großartige Küche im Lucknam Park

Aber das kommt nicht in Frage. Schließlich locken noch einige andere Unterkünfte, auf die man zumindest einen Blick werfen sollte. Eine solche ist Lucknam Park. Es liegt nur sechs Kilometer südlich vom Manor House at Castle Comb entfernt. Das herrschaftliche Landhaus aus dem 18. Jahrhundert lockt mit einem über 200 Hektar großen Anwesen. Das Motto des Hauses: „Do nothing, try something, indulge in everything.“ 42 Zimmer und Suiten bietet das Lucknam Park an. Alle sind liebevoll und individuell eingerichtet, manche davon herrlich britisch-tantig. Eines der Highlights des Hauses ist die Küche, allen voran das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Park Restaurant unter der Ägide von Starkoch Hywel Jones. Seit 2006 hat er einen Michelin-Stern. Regionale Küche wird bei ihm großgeschrieben, viele Kräuter zupft er aus dem hoteleigenem Beet. Und wer selbst Hand anlegen möchte, kann einen Kurs in der Kochschule des Hotels besuchen. Von freitags bis samstags kann man Tages- und Halbtageskurse besuchen und viele Kochfinessen lernen.

Wer nicht in einem Landhotel übernachten möchte und stattdessen lieber den Flair einer Stadt erleben möchte, sollte sich auf den Weg nach Bath machen. Mit seinen wunderschönen georgianischen Gebäuden, den römischen Bädern und einem bunten Kulturangebot präsentiert sich die Stadt als ein tolles Reiseziel zu jeder Jahreszeit. Bath überzeugt auch mit seinen hübschen Buntglasfenstern und dem gotischen Fächergewölbe. Besuchenswert ist zudem der Royal Victoria Park mit seinem riesigen Botanischen Garten.

Ein Muss in Bath: das Römische Bad

Wer es sportlich mag, kann sich auf dem Minigolfplatz und dem Abenteuerspielplatz austoben. Und wer einfach nur chillen mag, schnappt sich einen Picknickkorb und sonnt sich auf der grünen Wiese. Berühmt ist Bath heute auch für sein Römisches Bad. Ja, richtig gelesen. Die Römer bauten hier nämlich vor mehr als 2.000 Jahren ein Spa rund um Großbritanniens einzige heißen Quellen. Das Museum beherbergt eine Auswahl römischer Artefakte, die in den Bädern entdeckt wurden und lässt die Antike wieder aufleben. Einziges Manko: Ein Bad kann man hier leider nicht nehmen. Das aber geht prima im Gainsborough Spa. Das 5-Sterne-Hotel bietet einen eigenen Zugang zu den natürlichen Thermalquellen.

Wer weiter in die Geschichte eintauchen möchte, sollte sich auf den Weg zur SS Great Britain machen. Das Museumschiff ist eines der meist besuchten Sehenswürdigkeiten in Bristol. Was daran so besonders ist? 1843 diente das Dampfschiff für Fahren zwischen Bristol und New York; es war seinerzeit das größte Schiff der Welt. Heute kann man es detailliert bestaunen. So gibt es ein Originalmodell eines Schiffsmotors sowie Briefe und Tagebücher der Schiffspassagiere. Außerdem kann man übers Deck und am Dock des Schiffes entlanglaufen.

Bristols Nachtszene ist jung und bietet zwei Gay-Viertel 

Vom SS Great Britain ist es nicht weit bis Bristol. Die Stadt ist die sechsgrößte Englands. Eine gute Idee, Bristol zu erkunden, ist eine Fahrt mit dem Boot. Dabei erfährt man viel Wissenswertes über die maritime Vergangenheit der Stadt. Als Besucher hat man die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern einer Bootstour, da ist sicherlich für jeden das Richtige dabei.

Am Abend sollte man sich ein paar Bars anschauen. Wer gute Live-Musik mag, ist hier am richtigen Ort. Sogar unter der Woche kann man den Sounds guter Nachwuchskünstler lauschen. Dass sogar außerhalb des Wochenendes so viel los ist, liegt daran, dass rund zehn Prozent der knapp 450 000 Einwohner Studenten sind. Bristols Schwulenszene bietet sogar zwei Viertel, in denen man abends gut ausgehen kann: Im Gay Village Old Market Quarter kommen Leder-, Fetisch- und Bärenfreunde auf ihre Kosten. Im Gay Village West End dagegen amüsieren sich dagegen eher die jüngeren Partylöwen.

Eine ziemlich berühmte Brücke in Clifton Village

Unbedingt einen Besuch wert ist auch Clifton Village, ein Stadtteil im Westen von Bristol. Hier kann man wunderschöne Häuser und Terrassen aus der Zeit der georgianischen Architektur bestaunen. Lohnenswert sind auch die malerischen Straßen und Plätze, die dazu einladen, die alternativen Shops, Boutiquen und Cafés zu besuchen. Wer ein individuelles Mitbringsel für die Daheimgebliebenen sucht, ist hier goldrichtig. 

Architektonisches Highlight in Clifton Village ist allerdings eine Brücke: Die Clifton Suspension ist ein unverwechselbares Symbol der Stadt Bristol. Sie verbindet Clifton mit Leigh Woods. Die majestätische Brücke erstreckt sich über den Fluss Avon und bietet eine herrliche Aussicht auf die Stadt. Entworfen wurde sie von William Henry Barlow und John Hawkshaw. Und wem die Brücke nun irgendwie bekannt vorkommt, dem sei gesagt, dass sie oft in Filmen und Serien gezeigt worden ist. Eine ziemlich bekannte Brücke also! 


Anreise. Bmi regional fliegt von Hamburg, Düsseldorf, Nürnberg, Frankfurt und München nach Bristol, ab rund 200 Euro.

Übernachtung. Manor House at Castle Combe,  Chippenham SN14 7HR, Vereinigtes Königreich, Tel. 0044 1249 782206.

The Royal Crescent Hotel, 16 Royal Cres, Bath BA1 2LS, Vereinigtes Königreich, Tel. 0044 1225 823333

Events. Das Bristol Pride Festival findet 2017 vom 30. Juni bis 9. Juli statt.