Pride Amsterdam

25.07.2017
 
Pride Amsterdam Foto: Michael Noghero
Ganz schön lekker

Als am 1. April 2001 um kurz nach Mitternacht im Rathaus von Amsterdam die ersten gleichge-schlechtlichen Eheschließungen stattfanden, offenbarte die Hafenstadt der ganzen Welt ihre Liberalität. In den letzten zwei Dekaden hatte das Regenbogen-Reiseziel jedoch zunehmend Kon-kurrenz anderer europäischer Hauptstädte bekommen. Dabei kann das kleine Amsterdam mit dem Dreiklang aus Kultur, Nightlife und Stadterlebnis heute mehr denn je unter den Großen punkten. Von Michael Noghero 



Eines der aktuell beliebtesten Fotomotive der nieder-ländischen Hauptstadt ist als solches konstruiert: zehn markante Buchstaben in den Wappenfarben Weiß und Rot, die auf einer Länge von knapp 25 Metern den Slogan „I amsterdam“ bilden. Im Hinter-grund thront das Rijksmuseum mit seinen herrschaftlichen Türmen und der reich verzierten Fassade mit gotischen und Renaissance-Elementen. „I amsterdam“ war eigentlich nur als werbewirksames Schlagwort für die Wirtschaftsförderung der Metropolregion gedacht – heute ist es ein selbstbewusst benutztes Statement der Einheimischen, das in unterschiedlichster Aufmachung ganze Souvenirläden füllt. Die Grachtenstadt ist bekannt für ihr tolerantes Klima und die zwei Worte stehen auch für das Integ-rationspotential einer Stadt, deren 750.000 Bewohner aus 175 Ländern stammen.

Nationalmuseum und Badewanne

Der letzte große öffentliche Auftritt von Königin Beatrix vor ihrer Abdankung im April 2013 war die Wiedereröffnung des Rijksmuseums. Ein Jahrzehnt lang dauerte die Renovierung des Gebäudes. 2,2 Millionen Besucher jährlich kommen vornehmlich wegen den weltweit bekannte Meisterwerke unter den rund 8.000 Exponaten. Gelegentlich gibt es auch Führungen mit schwul-lesbischem Schwerpunkt, die ganz neue Aspekte der Kunstgeschichte offenbaren. In unmittelbarer Nachbarschaft am Museumplein sind das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum, das städtische Kunstmuseum. Sein Anbau mit einer Fassade aus Hightech-Kunststoff ist der Form einer Badewanne nachempfunden und die darin stattfindenden Ausstellungen spielen in der ersten Liga des internationalen Museumsgeschäfts. Renzo Piano hat das Technologiemuseum „Nemo“ in der Nähe des Hauptbahnhofs entworfen (aussichtsreiche Terrasse!), daneben ist das ebenfalls sehenswerte Schifffahrtsmuseum. Mit rund 50 Museen böte Amsterdam ausreichend Programm für wochenlanges Regenwetter. Für einen Kurztrip ist das Stadtmuseum „Amsterdam Museum“ das Richtige: Es vermittelt die lokale Historie auf innovative und kurzweilige Weise und nimmt auch Bezug auf ganz aktuelle Themen.

Auf den Grachten oder per Rad

Seit 2010 gehört der Grachtengürtel zum Unesco-Welterbe. Die 165 Grachten (Kanäle) bieten die schönsten Perspektiven auf Brücken und historische Kaufmannshäuser. Wem eine Rundfahrt zu wenig ist, kann sich bei Canal Bus ein Hop-on-Hop-off-Ticket besorgen. Individualisten erkunden die Stadt mit dem Tretboot und wer es weniger schweißtreibend mag, startet eine Tour mit dem gemieteten Elektroboot (für die Kleinen ist kein Bootsführerschein notwendig). Verweilt man länger in Amsterdam, lohnt sich der Gang zu einem „fietsverhuur“ (Fahrradverleih). Das einfachste Modell ist völlig ausreichend, Steigungen existieren ja nicht. Die größte Herausforderung sind die anderen Fahrradfahrer, insbesondere andere Touristen, die eventuell soeben aus einem Coffeeshop kommen. Rad- und Einkaufstouren lassen sich perfekt kombinieren (Rad immer anschließen, sonst muss man sehr wahrscheinlich zu Fuß weiter). Freunde kleiner Geschäfte werden „De Negen Straatjes“, neun Gassen im früheren Arbeiter- und heutigen In-Viertel „Jordaan“, lieben. Im ehemaligen Postamt beim Schloss residiert hinter mondäner Fassade das innen ebenso prachtvolle „Magna Plaza“, das auch ohne Shopping-Gelüste einen Besuch lohnt. Der „Herrenausstatter“ für alles aus Gummi und Leder, Mr. B. eröffnete 1994 seinen ersten Laden in der Warmoesstraat. Fast benachbart ist das „Fachgeschäft“ RoB mit ähnlichem Sortiment. Mann dürfte in Amsterdam also jegliche Fetisch-Artikel bekommen – Gelegenheiten diese zum Einsatz zu bringen, hält das Nachtleben ausreichend bereit.

Szene-Hopping

1987 wurde am Westermarkt das weltweit erste Denkmal gestaltet, das der Erinnerung an unter-drückte oder ermordete homosexuelle Menschen gewidmet ist: das Homomonument. Die Tatsache, dass es gegen das stark symbolisierende Bauwerk keine Proteste gab, ist auch auf das tolerante Selbstverständnis der Amsterdamer zurückzuführen. Hier ist auch ein guter Ausgangspunkt für die Entdeckung der Amsterdamer Szene. Ja, die gibt es noch. Wie fast überall auf der Welt hat sie sich in den letzten Jahren stark verändert. Schwulen-Clubs gibt es kaum noch, vielmehr spezielle Gay-Events. Davon finden in Amsterdam eine ganze Menge statt, und für eine an der Einwohnerzahl gemessen so kleine Stadt haben diese bisweilen eine enorme Strahlkraft, weit über die Landesgrenzen hinaus. Um die 100 Gay-Locations, von der Sauna bis zum Hotel, bietet Amsterdam heute. Neben dem Homomonument, beim Pink Point, kann man sich mit freundlicher Unterstützung und wertvollem Insiderwissen auf den aktuellen Stand in Sachen Nachtleben in Amsterdam bringen. Der Szene-Boulevard Reguliersdwarsstraat ist vor allem in den Sommermonaten sehr belebt. Origineller sind die schwulen Kneipen im nahe gelegenen Amstel-Viertel, in denen man sich mit holländischem Schlager vertraut machen kann. In Richtung Bahnhof finden sich dann die Cruising-Bars – alles in Fußgängerdistanz zu erreichen. Wird einem bei der Kontaktaufnahme mit den „Locals“ das Attribut „lekker“ zugeschrieben, darf man sich freuen. Es bezieht sich nicht nur auf Speisen und Getränke, sondern bedeutet viel umfassender „schön“. „Lekker“ ist in Amsterdam also eine ganze Menge.

Festival, nicht Demo

Die Veranstalter des Gay Pride Amsterdam machen deutlich: Sie machen Party, keine Demo. Das Festival findet seit 1996 am ersten August-Wochenende statt und findet seinen Höhepunkt in der Canal Parade am Samstag. 400.000 Besucher kommen alljährlich zu dem Spektakel, bei dem rund 100 aufwändig geschmückte Boote über die Grachten schippern. Auf vier zentralen Plätzen finden Straßenfeste mit ambitioniertem Bühnenprogramm statt, von denen aus sich die internationalen Festivalgäste anschließend in Bars und zu den vielen Partys bewegen. Bei einem Tagesausflug zum Strand kann man sich von den nächtlichen Strapazen bestens erholen. An die Nordsee-Strände von Zandvoort oder Bloemendaal kommt man mit der Bahn in einer halben Stunde.


Übernachtung: In der niederländischen Hauptstadt kann man ganz unterschiedlich logieren. Das luxuriöse Hotel Pulitzer besteht aus insgesamt 25 historischen Grachtenvillen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und war Drehort für den Film „Ocean's 17“ mit George Clooney und Brad Pitt. Seefeste Gäste werden das schwimmende Amstel Botel schätzen, das direkt neben der ehemaligen Werft NDSM vor Anker gegangen ist.

Mehr Infos: Ausführliche Informationen zu Sehenswürdigkeiten in der Stadt und im Umland finden sich unter www.iamsterdam.com, auf der Seite des Gay Tourist Information Centre (GAYtic, www.gaytic.nl) kann man sich über Events informieren.

Weitere Informationen:

Am 29.7.17 startet der Pride Amsterdam mit dem Pride Walk. Die berühmete Canal Parade findet am 5.August statt. Das ganze Program  könnt ihr auf der Webseite https://pride.amsterdam/?lang=en  einsehen.

Toms Gay Guide Amsterdam 2017 : Hier findet ihr viele Informatioen zu Clubs, Bars, Hotels, Shops ...

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